02 Romantik und Sinnsuche

Romantik und Aufklärung als Gegenspieler

Die künstlerische Epoche der Romantik entstand als Gegenpol zur Aufklärung, der Entzauberung der Welt. Sie warf dem Versuch die Welt allein rational begreifen zu wollen, die Macht der unbewussten Empfänglichkeit für Übernatürliches entgegen. Sie suchte das Übernatürliche jedoch nicht mehr im klerikalen Mythos der Kirchen, sondern in der Faszination für das Natürliche. Sie schrieb der Natur eine nicht sichtbare Dimension zu, die man nur spüren konnte, wenn man sich von ihr vereinnahmen ließ und eine Verbindung auf seelischer Ebene zuläßt.

Der 30-jährige Krieg in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts brachte Mitteleuropa nie zuvor erfahrenes Leid ein. Das römische Reich Deutscher Nation verlor durch den Krieg der Konfessionen fast ein Drittel seiner Bevölkerung. Traumatisiert durch seine Erfahrungen erstarrte das Reich in seiner mittelalterlichen Gesellschaftsstruktur und wurde erst 160 Jahre später durch die Feldzüge Napoleons unsanft wach geküsst. Für Deutschland, aber auch andere Länder des keltisch-germanischen Kulturraums war die Romantik eine Gralssuche.

Der Krieg und seine Schrecken hatte den Kirchen und dem Feudalismus einen Schlag versetzt, der zu ihrer Auflösung führen sollte. Die von Gott eingesetzte Aristokratie hatte sich im westfälischen Frieden ein Grabmal gesetzt. Die Gleichsetzung der Religionen stellte die Autorität der Kirche in Frage und mit ihr die Rechtfertigung des Adels für seine Herrschaft. Die Völker Europas entwickelten nationale Identitäten, ein Bewusstsein, das sie der Zugehörigkeit zu ihren Fürsten entzog. Etwas sehr wichtigeres ging dabei aber verloren. Das Wissen um die Bedeutung der eigenen Existenz, unseren Platz in der kosmischen Ordnung.

Die Frage der Gesellschaftsordnung

Mit dem Nationalismus entstand auch das Bedürfnis die eigene Existenz mit einem neuen Mythos zu versehen. Der alte war in Schrecken untergegangen und ein neuer musste gefunden werden. Deutschland verschlief die Anfänge dieser Entwicklung, sollte jedoch entscheidend zu ihrem Ende beitragen. Aufgeweckt durch Napoleons Versuch ein vereinigtes säkulares Europa unter französischer Herrschaft zu errichten, entstanden auch in Deutschland erste nationale Bestrebungen und Widerstände gegen die alte Ordnung. Diese gipfelten in der Revolution von 1848, welche jedoch blutig niedergeschlagen wurde.

Der Geist der Aufklärung konnte aber nicht mehr eingefangen werden. Das 23 Jahre später entstehende Kaiserreich trug bereits die Philosophien des nationalen und internationalen Sozialismus, sowie des Atheismus in sich und damit seinen Untergang und seine Todessehnsucht. Wieso entstanden gerade in Deutschland die sozialistischen Philosophien des Nationalsozialismus und Kommunismus? Wieso glaubte man gerade hier an die Rationalität einer kollektivistischen Gesellschaftsordnung und tut es bis heute?

Während die Amerikaner in ihrer liberalen Gesellschaft einen unverändert tiefen christlichen Glauben bewahrten, entschied sich Europa den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch autoritäre Politik und Zentralisierung sicherzustellen. Ohne Verwurzelung in der Natur jedoch verkraften Menschen nicht allzu viel Freiheit. Gesellschaften welche sich über Stammesgrenzen hinaus organisieren, benötigen einen Mythos zum Selbsterhalt. In säkularen Zeiten ist dieser Mythos einzig das Versprechen von Wohlstand und Sicherheit. Gehen diese verlustig, dann wird das System in Frage gestellt, denn sein Mythos wurde angekratzt. Das System antwortet mit Unterdrückung.

Seit dem Beginn der Romantik und ihrer mystischen Verehrung für die Natur und einer verklärten antiken Vergangenheit, steigerte sich das Interesse der Europäer für den Okkultismus, die Esoterik und die Lehren des fernen Ostens genauso, wie die Frage nach dem eigenen kulturellen Ursprung bei Germanen und Kelten. Eine erste Spitze wurde um die Jahrhundertwende erreicht und von der nationalsozialistischen Bewegung missbraucht. Der Zwang des nackten Überlebens zwang die Menschen zurück in die Arme des konservativen, kirchlichen Geistes oder den Wahnsinn psychopathischer Utopien. Doch die Wandervogelbewegung und der Naturalismus entstanden als Gegenbewegung zur materialistischen Philosophie ebenso wie die Hippies zwei Generationen danach.

Die mystische Selbstsuche

Während heute auch der pragmatische Materialismus sich aller überlieferten Mythen und Werte entledigt hat, steuert er seinem Untergang durch die Zersetzung der Gesellschaft entgegen. Die Freiheit des Menschen ohne Rückbindung an den Kosmos lässt ihn zum kulturlosen Räuber degenerieren. Ein Phänomen das auf dem ganzen Planeten beobachtet werden kann. Gleichzeitig wachsen erneut Bewegungen, welche dem Menschen seinen Platz im Kosmos zurückgeben möchten. Auch die in den letzten zwei Jahrzehnten entstandene Fantasy-Welle interpretiere ich als die Sehnsucht nach der Wiederverzauberung der Welt, der Romantik. Sie steht stark im Kontrast zum Transhumanismus und dessen Verheißung einer Verschmelzung von Mensch und Maschine.

Es gibt keinen Weg zurück. Die alten Germanen und Kelten sind tot. Wir haben keine echten Schamanen mehr und zum alten Schamanismus gehörte auch ein Weltbild, das heute zu viele Widersprüche entwickeln würde. Die Romantiker und Hippies jedoch hatten Recht. Es ist alleine die Natur selbst, welche uns die Antworten zu geben vermag, die wir suchen. Der Ruf der Natur ist ein unbewusster und umfasst einen Raum der Kreativität und einen Zugang zur seelischen Dimension, der die neue Bindung des Menschen bereits in sich trägt. Was wieder hergestellt werden muss, ist die seelische Offenheit und das Gehör für Unaussprechliches, der Blick für das Unsichtbare.

Der Verstand kann die Natur nur in ihre physischen Bestandteile zerlegen, er kommt ihrem Wesen aber niemals auch nur nahe. Solange wir die Arroganz des Verstandes nicht zeitweise abzulegen bereit sind, können wir uns nicht der sanften Stimme hinter den Erscheinungen öffnen. Solange glauben wir, alleine zu sein in einer Schöpfung aus geistloser Materie. Erst wenn wir uns öffnen und feststellen, dass auch unser Bewusstsein einen Ursprung und eine Verbindung mit allem besitzt was lebt, sind wir bereit den nächsten Schritt zu machen. Aber dafür müssen wir uns demütig klein machen und staunen über Gewalt und Schönheit der Existenz.

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