03 Was keiner sieht …

Die antike Tradition, dass die Welt am Ende von sechstausend Jahren im Feuer vergehen wird ist wahr; wie ich von der Hölle gelernt habe. Die ganze Schöpfung wird verschlungen werden und unendlich und heilig erscheinen, wo sie sich jetzt endlich und erbärmlich zeigt. Das wird durch eine Veredelung der Sinneserfahrungen geschehen. Wenn die Pforten der Wahrnehmung gereinigt wären, alles würde dem Menschen so erscheinen wie es ist – Unendlich.

William Blake

Die Pforten der Wahrnehmung

Es war in einer Welt, in der alle Menschen die Dinge nur in Schwarz und Weiss sehen konnten. Dort gab es einen Jungen, welcher auf Grund seiner Sensibilität alles in den vielfältigsten Farben des Lichts erkennen konnte. In seiner Kindheit lernte er über die Menschen in seinem Leben nicht nach Farben, sondern nach der Helligkeit und vor allem den abstrakten Formen zu unterscheiden. Denn so sahen und dachten alle anderen, welche ja keine Farben kannten.

An einem schönen Sonntag ging er mit seinen Eltern spazieren. Auf dem Weg fiel ihm eine Blume auf, deren Farben besonders kraftvoll leuchteten. Er blieb stehen, um sie zu berühren und wurde wiederum in seinem Herzen von ihr, der Pflanze berührt. Die Eltern wurden leicht nervös und wunderten sich was den Kleinen denn nur so beschäftigte. „Mama, Papa schaut mal die Blume, die ist so wunderschön.“ „Ja, ja Kind ist halt eine Blume. Blatt, Stiel, Stumpf und Blüte“, „Aber diese hier ist etwas Besonderes, sie ist viel …“. In diesem Moment fehlten dem Kind die Worte und es überlegte wie es am besten beschreiben konnte, aber es fand keinen Begriff für das, was es empfand.

Die Eltern wunderten sich kurz, aber dachten sich, es wäre eben ein Träumer und würde schon irgendwann in die Realität geholt werden. Beim Abendessen erinnerte sich das Kind an die Blume und es versuchte erneut, sie zu beschreiben. „Sie war so groß und hatte vier oder fünf Blätter und eine Blüte die war so …. 70% Lichtstärke auf der Grauskala“. „Ach Du meinst diese Bergblumen am Hang?“ In diesem Moment wurde dem Kind klar, dass mit ihm etwas nicht stimmte.

Verzweiflung

Wenn es versuchen würde etwas zu beschreiben was es faszinierte, so verstand jeder was es meinte und doch fühlte es sich immer unverstanden. Eines Tages sammelte es Spielzeug und andere Sachen, die alle rot waren und legte sie auf den Küchentisch. Zuerst wurde die Mutter wütend, weil sie dachte das Kind wollte sie ärgern, aber als sie bemerkte, dass ihr Junge kurz davor war, in Tränen auszubrechen, wusste sie, dass es ihm wichtig war. Sie sah sich also die Sachen auf dem Tisch an. Da war ein roter Gürtel, eine rotes Auto, ein rotes Taschentuch, rote Bonbons, der rote Kauring vom Hund und einige weitere Dinge. „Und siehst Du es?“ fragte das Kind. „Was denn?“ fragte die Mutter.

„Siehst Du es???“, fragte das Kind erneut und eine erste Träne rann seine Wange herunter. „Also ich sehe einen Gürtel, ein Auto, ein Taschentuch, Bonbons, den Kauring vom Hund und andere Sachen.“ Das Kind fing an zu schreien und es weinte, schlug um sich und rannte hinauf in sein Zimmer. Von da an war es nie wieder das selbe. Es begann erst sich selbst zu hassen und später zu glauben es sei dumm. Auch wenn es sich immer noch über die vielen Farben freuen konnte. Seine Mitschüler bemerkten, dass es geschwächt war und zweifelte und sie bestraften es dafür.

Suche

Als es älter wurde und wieder etwas Mut fand, mit den Menschen zu sprechen, verzweifelte es immer weniger an diesem Unterschied, denn es begann die Farben nicht mehr wahrzunehmen. Sie waren zwar da, aber es dachte nur noch in grau, um nicht aufzufallen und so zu sein wie die anderen. Sie verschwanden einfach aus seinem Bewusstsein. Irgendwann vergaß es sogar woran es litt. Es musste sich immer seltener anhören, dass es komisch sei, vielleicht etwas ruhig und verklemmt, aber so war es halt und so dachte es auch von sich selbst. Manchmal war da etwas, was es bedrückte, aber es wusste nicht was das war. Es dachte von sich einfach als einen traurigen Menschen.

Aber sein Leben wurde schwieriger und nichts schien ihm zu gelingen. Alles was es tat wurde schwieriger und schwieriger und es wusste nicht wieso. Es trieb ihn fasst in den Wahnsinn. Warum musste die Welt ihm das Leben so schwer machen? Reichte es denn nicht, dass er sich von Natur aus so unglücklich fühlte? Die Menschen mit denen der Junge darüber sprach, wollten ihm alle helfen. Denn sie mochten ihn. Sie sagten ihm er müsse mutiger werden und mehr an sich arbeiten. Er wüsste auch nie was er wollte und müsste sich nur einmal anstrengen und konsequent sein. Vielleicht offener werden und etwas mehr auf die Leute zugehen. Und schließlich, so schlimm sei das Leben doch nicht, auch wenn es mal eine Zeit lang hart sein kann. Vor allem solle er nicht immer alles so ernst sehen!

Vielleicht hätte er sich schon längst umgebracht, aber etwas hielt ihn immer zurück. Etwas gab seinem Leben Wert. Auch wenn er längst vergessen hatte, was es war.

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