04 Die pathologische Gesellschaft

Materialismus in der Gesellschaft

Der Materialismus unserer Gesellschaft ist ein Zeichen ihrer seelischen Verwahrlosung. Wer mit Werbung und Verkauf vertraut ist weiß, dass sich ein Produkt nicht allein deshalb verkaufen lässt, weil es gut ist. Von größerer Bedeutung ist der emotionale Bezug, den Menschen zu ihm aufbauen. Wir kaufen Produkte, weil sie uns helfen, uns besser zu fühlen. Weil wir die mit dem Produkt verbundene Energie und Sicherheit höher einschätzen, als auf unserem Geld zu sitzen. Der wohl allergrößte Anteil der produzierten Güter in Industrienationen verfolgt einzig und allein diesen einen Zweck. Daher wird die Werbung auch darauf ausgerichtet, Menschen die Möglichkeit zu versprechen, ihr Lebensgefühl zu optimieren. In einer Zeit, in welcher der Markt für Bedarfsgüter mehr Angebot als Nachfrage besitzt, sind Lifestyle-Artikel die letzte verbleibende Nische.

Was treibt uns dazu, immer wieder aufs neue Dinge zu konsumieren, die wir logisch gesehen nicht benötigen? Konsum ist Selbstmedikation. Wir essen nicht mehr um satt, sondern „fit & gesund“ zu sein, sowie unsere Stimmung zu manipulieren und uns funktionsfähig zu halten. Die Medien nutzen wir nicht mehr nur zur Kommunikation und Information, sondern vermehrt zur Unterhaltung und Selbstbestätigung. Wir kaufen Autos und Häuser nicht mehr allein um zu wohnen, sondern um uns ein Rückzugsgebiet von der Außenwelt zu verschaffen, das zu gleich unseren sozialen Status präsentieren soll. Alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Telefon, Uhren, Kleidung und vieles mehr werden zu Prestigeobjekten und Statusgegenständen.

Warum das alles?

Ablenkung von unseren wahren Gefühlen, der Frustration eines unerfüllten Lebens voller Existenzängste und mangelndem Selbstwertgefühl. Nur wer sich selbst verloren hat, beginnt sich mit anderen zu vergleichen. Nur wer kein Gespür für das besitzt, was er oder sie wirklich will, kommt überhaupt auf die Idee, die Gesellschaft als Orientierungsanker zu verwenden. Keine Seele kommt mit dem Plan auf die Welt ein versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis anzustreben. Traumatisierte, verwirrte und verlorene Psychen, die keinen Kontakt zu ihrer inneren Wahrheit mehr besitzen tun das. Aber die Seele ist immer noch da und schreit nach Wahrhaftigkeit und Selbstbestimmung und hämmert irgendwann unsichtbar gegen die selbst errichteten Mauern einer eingeschränkten Empfindungsfähigkeit.

Junge Menschen besitzen noch ein gewisses Maß natürlicher Abwehrkräfte gegen diesen Wahnsinn und reagieren entsprechend ablehnend gegenüber der sinnentleerten Welt der Erwachsenen. Doch je älter sie werden, desto mehr verwickeln sie sich in ihren vermeintlichen Verantwortungen, die doch nur versteckte Abhängigkeiten und Verdrängungen persönlicher Ängste sind. Dann wundert man sich, weshalb man keine Lust mehr empfindet, depressiv wird und energielos. Spätestens wenn die Wirkung und Illusion des Konsums nicht mehr ausreicht, den nächsten Schuss an künstlichen Glücksgefühlen zu produzieren. Dann entstehen mit einem Schlag Krankheiten, die wir uns nicht erklären können. Krämpfe, Panikattacken, Unverträglichkeiten und Allergien, die kein Arzt erklären oder heilen könnte. Ein Hilferuf unseres Körpers, da er die krampfhaft unterdrückte Lebensenergie, welche nach Befreiung schreit, nicht länger unterdrücken kann.

Warum tun wir uns das an?

Unsere verborgenen Ängste dem Leben gegenüber, unsere früh im Leben entstandenen Enttäuschungen bringen uns dazu, Umstände zu akzeptieren, die wir insgeheim ablehnen. Und wir rechtfertigen sie auch noch vor uns mit Pflichtgefühl und Verantwortungsbewusstsein. Wir wollen schließlich ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft sein. Oder wenigstens von unseren Nächsten verstanden werden und wir haben Angst, unvorstellbare Angst, dass diese sich von uns abwenden würden, wären wir ehrlich mit uns selbst. So ziehen wir Stück für Stück die Sicherheit der Freiheit vor und bleiben in Beziehungen, die kein Prickeln mehr erfüllt und Jobs die mit unserem wahren Potential nie etwas zu tun hatten. Für das erstickende Gefühl der Beständigkeit und Sicherheit und der Möglichkeit genügend zu konsumieren und Status zu erlangen, der von unserem Selbsthass ablenkt.

Da die Gesellschaft nur der kleinste gemeinsame Nenner aller Beteiligten ist, fördert sie dieses Verhalten und bekämpft es, wann immer jemand wagt, nach dem Sinn zu fragen. Das wohl größte Tabu jeder Gesellschaft. Freiheit aber, echte Freiheit ist deshalb immer zunächst ein innerlicher und einsamer Weg. Die Suche nach Freiheit führt uns zunächst zur Quelle unserer psychologischen Abhängigkeit von unserer Umwelt und unserer stillschweigenden Kooperation mit einem System, das nicht an unserem Wohlergehen interessiert ist. Erst wenn wir das verstanden haben, unsere Ängste erkannt und bewältigt haben, kann der Sprung zu wahrer äußerer Freiheit gelingen. Aus dem einfachen Grund, dass wir immer wieder aufs Neue in Abhängigkeit geraten, solange wir nicht fähig sind, die Stimme unseres Herzens in voller Klarheit wahrzunehmen.

Freiheit

Um wirklich frei zu werden, benötigen wir den Mut eines verwirklichten Herzens, denn wir kämpfen von diesem Moment an nicht nur gegen unsere eigene Bequemlichkeit, sondern ebenso gegen die Lebenslügen aller Gefangenen um uns herum. Wir wissen das. Wir haben das immer gespürt und genau deshalb haben wir uns versteckt. Was wir nicht sehen, ist die Inspiration und Bewunderung die wir selbst bereits für alle empfinden, die nach unserer Vorstellung bereits frei sind. Wir fürchten das zu sein, wonach wir uns am meisten sehnen, Wahrhaftigkeit.

„Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepaßt zu sein an eine zutiefst kranke Gesellschaft.“

Jiddu Krishnamurti

Wenn Du diesen Artikel magst, dann teile ihn doch mit Deinen Freunden und schaue in meiner Facebook-Gruppe vorbei. Ich freue mich jedenfalls über Deine Hilfe, meinen Blog bekannt zu machen. Vielen lieben Dank, Marc.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.