06 Freier Wille

Freier Wille

Die Frage nach dem freien Willen haben sich vermutlich die meisten philosophisch geneigten Menschen einmal gestellt. Freier Wille ist tatsächlich aber eine moderne Vorstellung und Weise die Welt wahrzunehmen.

Der antike Mensch zeichnete sich oft durch eine fatalistische Einstellung, einem Glauben an das Schicksal aus, das ihm von den Göttern gegeben wurde. Er konnte es nur noch erfüllen. Vermutlich war diese Ansicht geprägt durch den Umstand, dass das Leben den meisten Menschen gleiche Umstände bot und am Ende das angeborene Talent und der Zufall zu entscheiden schienen, ob jemand ein guter Jäger, Krieger, Bauer oder Hirte wurde. Erst mit der Entwicklung differenzierter Arbeitswelten und fließender Unterschiede im Wohlstand, wuchs der Glaube an die Möglichkeit, das eigene Schicksal zu bestimmen. Aber noch bis ins Mittelalter argumentierten viele Theologen der drei monotheistischen Religionen gegen den freien Willen, stand er doch im Widerspruch zur Vorsehung eines allmächtigen Gottes.

Man kann sich aber auch fragen, welchen Unterschied es macht, ob ich an den Freien Willen glaube, oder nicht. Würde ich mich tatsächlich anders verhalten, je nachdem was ich glaube? Vermutlich würde ich weiterhin den gleichen Zielen nachjagen. Selbst der Glaube an Karma würde nichts daran ändern. Ohne freien Willen wäre Karma einfach der Weg der spirituellen Evolution. Macht es praktisch einen Unterschied ob ein Ziel von mir selbst gewählt oder in mir angelegt wurde? Die subjektive Wahrnehmung der handelnden Person erübrigt die Frage, da wir uns mit dem was in uns geschieht identifizieren. In Wahrheit gibt es keine Wahl, weil da einfach niemand ist, der sich entscheiden könnte. Eine Person ist immer nur das, womit sich ein Bewusstsein identifiziert.

Wie könnte man einen wahrhaft freien Willen überhaupt denken? Absolute Freiheit kann nur ohne vorausgehende Bedingung existieren, da alles, das auf etwas anderem gründet, durch dessen Eigenschaften begrenzt ist. Damit Freier Wille existieren kann, muss er aus dem unpersönlichen Urgrund der Schöpfung kommen. Er vergeht auch wieder in dem Moment, wo er die Materie berührt und damit verändert. Die Materie selbst und alles was ihr entstammt, ist immer nur Maschine. Ähnlich verhält es sich mit dem Bewusstsein. Wenn wie im vorherigen Artikel erörtert, Bewusstsein der Ursprung der Welt ist, dann kann es nur ein einziges Bewusstsein geben, da jede Erscheinung, selbst Raum und Zeit in ihm stattfinden. Freiheit und Bewusstsein wären dann zwei Eigenschaften der gleichen Sache. Eine Person kann niemals freien Willen besitzen, aber der freie Wille, das Bewusstsein, kann eine Person besitzen!

Langeweile

Ich stelle einmal die Behauptung auf, dass Intelligenz und Langeweile sehr eng miteinander verbunden sind, aber nicht notwendigerweise. Je intelligenter ein Tier ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es Verhaltensweisen zeigt, die unserem Ausdruck von Langeweile ähneln. Dennoch, langweilt sich ein in der Savanne lebender Schimpanse, der müde mit einem Stock Löcher in die Erde bohrt auf die gleiche Weise, wie eine Hauskatze ohne Ausgang, oder ein Kind im Wartezimmer des Hausarztes? Der entscheidende Unterschied ist das Gefühl von Qual, Folter und gefangen sein. Der Affe dürfte dieses Gefühl weniger kennen, die Katze schon eher und das Kind fängt vor Schmerz an zu schreien und den anderen Patienten auf die Nerven zu gehen. Schmerzhafte Langeweile ist gebundene Lebensenergie, welcher die Möglichkeit zum Ausdruck vorenthalten wurde.

Der Affe wird wohl keine Depressionen erfahren, die Katze ganz bestimmt, das Kind zumindest vorübergehend. Unsere Lebenskraft bewusst oder unbewusst zu blockieren ist immer schmerzhaft. Sie lässt sich auch nicht umlenken, ohne die Psyche zu schädigen. Unsere Lebenskraft ist kosmische Energie, die sich ihren Weg durch die verschlungenen metaphysischen, physischen und psychischen Pfade bahnt, um schlussendlich zu einer materiellen Erfahrung von Lust zu werden. Lust darauf, etwas zu tun. Alle Energie unseres Körpers trägt bereits ihre höhere Bestimmung in sich, sie weiß um ihren Zweck und um welcher Erfahrung willen, sie die Welt betritt. Es sind die Blockierungen unseres Innenlebens, übernommene Glaubenssätze und Ängste, welche uns daran hindern, diese Lust wahrzunehmen und zu verfolgen.

Wir denken vielleicht, wir müssten die äußeren Rahmenbedingungen ändern, um endlich wieder wir selbst sein zu können, aber das funktioniert nicht. Denn dafür hat sich die Energie in uns nicht entschieden. Sie hat sich entschieden, gegen alle Widerstände ihre bedingungslose Freiheit zu leben und sie ist damit auch in vollkommenem Einklang mit dem Ursprung, denn sie ist unpersönlich. Erst die eingebildete Person, welche die Energie nur verändert und korrumpiert wahrnimmt und sie ihren Vorstellungen entsprechend einsetzen möchte, erzeugt den kosmischen Missklang. Die äußeren Blockaden und verneinenden Erfahrungen unserer Kindheit trainieren uns, unser wahres Selbst das keine Person sondern pure Lust ist, vor anderen und sogar uns selbst zu verbergen. Wenn wir uns langweilen, die Orientierung verloren haben, Depressionen besitzen und nicht weiter wissen, dann unterdrückt unsere „Person“ den Zugang zu unserer Lebensenergie.

Entscheidungen

Entscheidungen des freien Willens finden immer im hier und jetzt statt. Es vergeht keine Zeit zwischen dem Fällen einer Entscheidung und ihrem Handeln. Alles andere ist Berechnung, also kontrollierende, die Energie unterdrückende Person und Maschine. Die Zukunft wird bestimmt durch unseren gegenwärtigen inneren seelischen Zustand und nicht durch die Kontrolle die wir meinen, über uns auszuüben. Die Gesamtheit unseres energetischen Systems und aller auf die Energie des Bewusstseins wirkenden Kräfte in unserer Psyche, unserem Körper und darüber hinaus, bestimmen unsere Zukunft. Die Reinigung von Körper und Geist, bspw. durch Meditation soll das „Gefäß“ reinigen, damit die Kraft ungehindert fließen kann.

Bewusst zu werden bedeutet daher, sich der in uns wirkenden unbewussten Kräfte gewahr zu werden und so ihre Durchlässigkeit für die Energie des Bewusstseins und seines freien Willens zu garantieren, statt der Maschine zu unterliegen. Meine „Wahl“ ist präsent zu bleiben in jedem Moment meines Lebens, oder in die Geborgenheit meines Unterbewusstseins zu flüchten und der Kontrollsucht meines Verstandes zu erliegen. „Loszulassen“ bedeutet den Moment zu erleben, wenn die höchste Instanz unserer Person aufgibt, um sich der Kraft anzuvertrauen. Es bedeutet sich der Erfahrung der Existenz zu öffnen, statt zu verschließen. Es wird ein Kanal geschaffen, aus dem das Göttliche in die Welt fließen kann, ohne auf den Widerstand einer „Person“ zu treffen.

Wenn Du einen dieser Momente erlebst, in denen sich Deine Person für das Bewusstsein so weit öffnet, dann triffst du keine Entscheidungen mehr. Es ist einfach klar, was zu tun ist, weil das bereits für Dich entschieden wurde. Von Dir selbst.

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