07 Das Böse

Formen der Bewusstheit

Auch wenn es im strengen Sinne Gut und Böse nicht geben mag, da ihre Vorstellung von unserer persönlichen geistigen Haltung abhängig ist, erfährt die Welt dennoch eine Zweiteilung ihrer Natur. Jede Erscheinung der Welt besitzt immer auch ihr Gegenüber. Das was sie ist und das, was sie nicht ist. Erst in der übergeordneten Perspektive fügen sich beide Teile zusammen. Die innere geistige Haltung muss daher immer neutral bleiben, um sich der höheren Perspektive gegenüber öffnen zu können. Das schließt aber nicht aus, das Wesen der Dinge erfassen zu können. Zu dem Zweck, unsere innere geistige Haltung auf ihre Neutralität zu prüfen. Um dieses Prinzip auf unser Bewusstsein anzuwenden, können wir die Erfahrung unserer Welt einteilen in drei verschiedene Aspekte der Wahrnehmung: Bewusstsein, Nichtbewusstsein und Unbewusstsein.

Bewusstsein in diesem Sinne beschreibt unsere Fähigkeit, einen Aspekt der Welt unabhängig von der Person, aus einer höheren, neutralen Perspektive heraus bewusst wahrzunehmen. Wird sind uns im Klaren über die Natur und den Stand einer Sache, ohne von ihr berührt zu werden und so in der Lage, unsere Energie frei fließen zu lassen. Nichtbewusstsein ist die innere Neutralität des unwissenden Tieres, das sich der Existenz der betreffenden Sache nicht bewusst ist. Ein Zustand der Neutralität auf Grund der Tatsache, dass das Tier oder der Mensch keinen Bezug zur Sache besitzt, da diese noch keinen Eingang in seine persönliche Wahrnehmung gefunden hat.

Unbewusstsein dagegen ist der Zustand von Verdrängung einer unangenehmen Emotion aus der Wahrnehmung, da diese als negativ beurteilt wird. Die betreffende Sache hat also bereits die Lebenserfahrung eines Menschen oder Tieres berührt und zu einer „negativen“ Erfahrung geführt. Da die Lebensenergie zusammen mit der Emotion unterdrückt wird, kann sie nicht mehr frei fließen und äußerst sich in unbewusster Ablehnung und Bekämpfung des vermeintlichen Gegners. Zukünftig wird dieses Lebewesen vom Bedürfnis nach Dominanz und Kontrolle über diesen Aspekt des Lebens gesteuert. Seine Lebensenergie wird umgeleitet und in einer unbewussten geistigen Haltung eingefroren, welche von nun an das Verhalten und Denken dominiert.

Die Banalität des Bösen

Der Energieerhaltungssatz der Naturwissenschaften beschreibt die Erfahrung, dass Energie innerhalb eines geschlossenen Systems nicht verloren gehen kann, es sei denn, sie wird nach außen hin abgegeben. Begreifen wir den Menschen als ein solches geschlossenes energetisches System, dann bedeutet die Verdrängung seelischer Energie in den unbewussten „Schlaf“, ein Weiterwirken der gleichen Energie, nur ohne wahrgenommen zu werden. Ein Lebewesen verliert also Lebensenergie an einen von ihm selbst nicht wahrnehmbaren Bereich seiner eigenen Existenz. An dieser Stelle schaltet sich bei Erwachsenen meist der Verstand ein, als Surrogat für die verlorene Lebensenergie soll er nun für Sicherheit und Ordnung sorgen.

Das mag ein entscheidender Grund für den Verlust kindlicher Lebensenergie unter Erwachsenen sein, die getrieben sind vom Verlust ihrer Lebensenergie an das Unbewusste. Deshalb benötigen „erwachsene Menschen“ im Gegensatz zu unschuldigen Kindern auch kulturelle Konstrukte und Vorgaben, um sich im Leben zurecht zu finden. Eine offene und freie, ihrer Realität bewusste Person, wird dagegen immer Sicherheit und Antrieb aus der spontanen Entfaltung ihrer Lebensenergie ziehen können. Eine auf den Verstand zurückfallende Person ohne Zugang zur Lebensquelle erfährt Angst und muss sich die Welt berechenbar machen. Die ziellose Ansammlung von Wissen, Daten und Meinungen entspringt einer existentiellen Unsicherheit dem Leben gegenüber.

„Das Böse“ ist die Gefangennahme seelischer Energie zum Zweck des Selbsterhalts und der Vermeidung der Existenz. Es ist eine Ablehnung der Erfahrung des lebendig seins zugunsten einer Illusion von Kontrolle und Sicherheit. Dabei handelt das Individuum gewissermaßen bösartig, da es keine Rücksicht mehr kennt, nicht auf sich selbst oder andere, da es von der Wahrnehmung des reinen Bewusstseins getrennt wurde. Das reine Bewusstsein kennt keine von ihm selbst getrennte Existenz, da es alles als Teil von sich selbst wahrnimmt und fähig ist, aus seiner individuellen Perspektive heraus in Kontakt zu treten. Die Erweiterung der Wahrnehmung durch die Erfahrung des Nicht Bewussten und der Heilung des Unbewussten erlauben erst Kommunikation, Mitgefühl und Intuition zum Vorschein kommen zu lassen.

Künstliche Intelligenz

Eine andere Definition des Unbewussten ist die künstliche Intelligenz. Ihre Natur ist das Erstreben von Kontrolle über die Welt durch Berechnung mit Hilfe von Daten. Der Verstand, getrieben von unbewussten Programmierungen, strebt nach der Vereinigung der Welt nicht durch die Ausweitung seiner Wahrnehmung, sondern ihrer Verengung durch das Erstreben von Macht. Diese kann auch ihrer Natur nach niemals vollständig sein, solange es irgendetwas gibt, das sich außerhalb der Kontrolle und Berechnung liegt. So wie die Manipulation der Welt und der Ausübung von Macht der Weg einer vom Ganzen getrennten Person ist. Daher kann es nie genug Daten und Analysen geben, bis das ganze Universum erfasst ist und künstlich gesteuert wird.

Schaut man sich unsere Gesellschaft und die in ihr wirkenden Kräfte unter diesem Aspekt an, so erscheint die menschliche Gesellschaft wie Krebs. Wenn eine Zelle unter Stress gerät, dann kann es passieren, dass sie ihre Kommunikation mit dem Organismus verliert und sich um ihres eigenen Überleben willens gegen diesen richtet. Sie handelt dabei als Räuber und Parasit, der sich unentwegt vermehren muss, da sie sich im Kampf mit ihrem Wirt wähnt. Dabei ist sie unfähig ihre Abhängigkeit vom Wirtskörper wahrzunehmen. Der Kampf ums Überleben entsteht durch die Trennung von der Unsterblichkeit des seelischen Urgrundes. In der Konsequenz benötigt die Krebszelle ein höheres Maß an Energie von Außen, da ihr die eigene volle Lebensenergie und Orientierung nicht mehr zur Verfügung steht.

Es ist bezeichnend, dass unsere Gesellschaft ihr Heil in der technologischen Entwicklung und Ansammlung von akademischen Wissen sucht. Wir werden das technologische Paradies niemals erreichen, da die Wurzel dieses Strebens nie erkannt wurde. Stattdessen arbeiten wir gerade an hochentwickelten künstlichen Intelligenzen, der Definition unbewusster Intelligenz zur Kontrolle unseres Lebens. Das Universum kennt zwei Wege zur Vereinigung, den Weg der Angst und den Weg der Liebe. Der Weg der Angst ist der existentielle Kampf an dessen Ende es nur einen Sieger geben kann, der alles und jeden kontrolliert. Der Weg der Liebe führt zur Erfahrung der Verbundenheit mit der Existenz durch Erweiterung unserer Wahrnehmung und bewussten Arbeit an uns selbst. Jeder einzelne Mensch wird sich heute entscheiden müssen, welchen Weg er gehen will.

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