08 Harmonie

Blumenmarkt – Eugène Galien-Laloue

Eine Frage der Gerechtigkeit

Mythen und Geschichten besitzen oft Charaktere und Kulturen, die sich über viele Erzählungen hinweg wiederfinden lassen, auch Archetypen genannt. Ein bekannte archetypische Kultur aus Romanen sind die mit der Natur in Einklang lebenden schamanischen Indianer oder die das Gleichgewicht der Elemente ehrenden magischen Elfen, bis hin zu Mischungen beider wie im Film „Avatar“. Diese Vorstellungen beschreiben Kulturen, die über Jahrtausende altes Wissen und Weisheit hüten und gelernt haben, in vollkommenem Gleichgewicht mit ihrer Umwelt und Lebensgrundlage zu existieren.

Sie beschreiben die Sehnsucht der Menschen, den tieferen Sinn ihres Daseins durch Kommunikation mit der Welt zu erreichen. Zentrales Motiv dieser Kulturen ist stets der Glaube an das Gleichgewicht und das Streben des Einzelnen, dieses Gleichgewicht in sich selbst zu finden. Man mag sich fragen, weshalb wir es dann nicht schaffen, dieses Motiv in unserer Kultur zu verankern? Es wenigstens zu integrieren versuchen. Was hindert uns daran? Ich denke, es ist der Kampf um die Gerechtigkeit.

Wer dagegen die Frage nach dem Gleichgewicht verfolgt, sucht nach dem Wesen der Natur und wird sich auch stets mit ihren Antworten zufrieden geben müssen. Dabei geht es um Wahrhaftigkeit und echte Erkenntnis von Zusammenhängen. Gerechtigkeit ist kein natürlicher Zustand. Die Frage nach der Gerechtigkeit ist eine politische Frage. Es handelt sich um eine Meinung, angetrieben vom Zeitgeist, scheinbarer Notwendigkeit und den Interessen von Gruppen, die jede für sich immer nur einen Ausschnitt der Realität betrachten. Nämlich den Ausschnitt, der ihren Interessen dienlich ist.

Der kulturelle Irrtum

Wer Gleichgewicht lebt, handelt und das immer im Versuch, den notwendigen Ausgleich zu erbringen. Wenn man nach Gleichgewicht fragt, der fragt gleichzeitig, wie er dem Ganzen dienen kann. Wer nach Gerechtigkeit fragt, der möchte, dass das Ganze ihm dienlich ist. Wenn jemand Gerechtigkeit fordert, dann beschwert er sich nur, jammert, macht sich selbst zum Opfer. Die Konsequenz ist das Krebsgeschwür des Kampfes um die moralische Deutungshoheit und Kontrolle über das Gemeinwesen. Der religiöse Glaube an Gerechtigkeit wurde dabei abgelöst von einem Glauben an den Rechtsstaat und seiner Möglichkeit einen stabilen Zustand herzustellen. Diese Stabilität ist aber nichts weiter als ein erzwungener Waffenfrieden, unter dem alle Interessengruppe ihre Überzeugungen als moralisch darstellen, während sie Teile ihrer wahren Absichten verbergen, um sich nicht angreifbar zu machen.

Es ist bezeichnend, dass die Staatsgläubigkeit der Menschen in den letzten hundert Jahren gewaltig zugenommen hat und sich viele eine Welt ohne staatliche Regulierung gar nicht mehr vorstellen können. Die Herstellung der Harmonie wird folglich von oben erwartet, oder muss über den Kampf für die gerechte Sache erzwungen werden. Also allen aufgezwungen werden, die anderen Überzeugungen anhängen. Diese Art zu denken stammt aus der Tradition einer Philosophie, welche die Kultur über die Natur stellt. Die vom Menschen erschaffene Kultur soll den Menschen vor sich selbst retten. Daher drehen sich auch die Extreme der Demokratie von heute Links wie Rechts um die Manipulation der Kultur. Von Rechts versucht man sie einzugrenzen und Links will man sie in die Beliebigkeit führen. Die Menschen können es nicht ertragen, der Natur einzugestehen, dass sie es besser weiß.

Die gleichzeitige Suche nach Harmonie mit der Natur und ein Kampf um Gerechtigkeit in der menschlichen Gesellschaft ist eine Illusion, die ohne Ende Widersprüche erzeugt. Solange wir die Natur als reinen Kampf betrachten oder sie verharmlosend romantisieren, spiegeln wir damit nur unser eigenes Inneres wieder. Tiere kämpfen, aber sie führen keinen Kampf. Das ist ein Unterschied. Ein entscheidender dazu. Nur weil etwas so aussieht wie etwas anderes, ist es noch lange nicht das selbe! Eine „gerechte“ Kultur ist möglich, jedoch erst, wenn sich Menschen konsequent für ein Leben in Harmonie mit der Existenz interessieren, statt nach Gerechtigkeit zu fragen. Wer das große Bild zu verstehen versucht, verliert automatisch seine Identifikation mit der Welt politischer Interessenvertretung. Politik ist das Gegenteil von Spiritualität.

Das Streben nach Harmonie

Alleine nur mal davon auszugehen, dass das Eigene nebensächlich ist gegenüber dem Ganzen, öffnet den Geist für den Kosmos. Interessenvertretung bedeutet dann argumentative Zusammenarbeit am Verständnis dessen, was ist und Orientierung an natürlicher Harmonie. Die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte besaßen wir mit dem Schamanismus eine Kultur, die genau das tat. Ein absoluter kultureller Wandel wird nötig sein, den wir entweder freiwillig eingehen, oder zu dem wir gezwungen sein werden. Ich will nicht behaupten, dass wir keine positive Entwicklung zu verzeichnen hätten.

Es hat sich viel getan und die Menschheit entwickelt durchaus ihr Bewusstsein in diese Richtung weiter. Das sehen wir in der Errungenschaft von Menschenrechten, Natur- und Tierschutz und ähnlichem mehr. Alle Entwicklung bewegt sich jedoch immer noch in der Sphäre des Kampfes um Recht. Was nun nötig wird, ist ein Wandel im kulturellen Bewusstsein. Eine ganz andere Form zu denken. Die Suche nach Harmonie aber hat nichts mit Nachgiebigkeit und Vermeidung zu tun. Im Gegenteil handelt es sich dabei um einen noch größeren und schwierigeren Kampf. Denn dieser Kampf wird nicht durch die Erzeugung von psychologischen oder physischen Druck gewonnen.

Dieser Kampf findet in uns selbst statt und er erfordert unsere völlige Aufmerksamkeit und Hingabe. Es ist der Kampf um echte innere Freiheit, der Harmonie in uns selbst. Kein Mensch der wirklich an seiner inneren Freiheit interessiert ist, wird noch Energie daran verschwenden, andere Meinungen zu bekämpfen. Wer innerlich frei ist, der kann gar nicht mehr, als seiner höchsten Wahrheit zu folgen, komme was wolle. Menschen mit dieser Kraft werden den Planeten retten. Alle anderen können nur an seiner Zerstörung arbeiten.

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