11 Entscheidungen

Das Spiel der Entscheidung

Die einzig relevante Entscheidung im Leben, die wir jemals treffen müssen, ist die zwischen Rein oder Raus. Das ganze Leben ist ein einziges Rein-Raus-Spiel. Immer wieder aufs Neue und von einer Ebene auf die nächste wechselnd. Für gewöhnlich glauben wir, vor der Entscheidung zwischen zwei oder mehr verschiedenen Wegen zu stehen. Wenn es um einfache Dinge ohne Konsequenzen geht, dann entscheiden wir uns einfach für die angenehmste Wahl. Befürchten wir allerdings unangenehme Konsequenzen, wenn wir eine falsche Wahl treffen, dann tun wir uns deutlich schwerer. Wir beginnen abzuwägen, zu durchdenken, zu grübeln und abschließend zu verzweifeln. Der Verlust des Vertrauens in die eigene Führung ist es, was uns in den Verstand treibt.

Eigentlich ist es ganz simpel. Der Fehler ist es zu glauben, dass wir mit der richtigen Entscheidung unseren Ängsten entkommen könnten, wir uns in Wahrheit also gar nicht entscheiden wollen. Wir hoffen, dass die richtige Wahl keine oder weniger unangenehme Konsequenzen erzeugen wird und wir so endlich im sorgenlosen Paradieszustand ankommen. Wir glauben, dass die richtige Entscheidung uns zum Erfolg führen wird. Wir vergessen dabei, dass der Erfolg weit weniger die Konsequenz der von uns gewählten Wege ist, als unsere Bereitschaft den Weg wirklich zu gehen. In den meisten Fällen entscheiden sich Menschen für den bequemen Weg und in selteneren Fällen für den anstrengenden. Beide Wege könnten zum Ziel führen und tun es nur selten. Am Ende landen wir wieder genau da, wo wir angefangen haben. Ganz egal, wie wir uns entscheiden. Seltsam oder?

Wenn wir ehrlich sind, geben wir ständig die Verantwortung ab für das, was in unserem Leben geschieht. Wir haben Erwartungen an das Leben, andere Menschen, das Schicksal, uns selbst und wenn sie nicht erfüllt werden, dann spielen wir das beleidigte Kind und machen dicht. Natürlich kennen wir unsere Verantwortung und strengen uns auch an. Wir überanstrengen uns sogar und sind dann noch frustrierter, wenn es wieder nicht geklappt hat. Unser Problem ist, dass wir nicht bereit sind, die emotionalen Konsequenzen zu tragen. Wir wollen um jeden Preis vermeiden, dass wir leiden und deshalb stehen wir niemals ganz hinter unseren Entscheidungen. Und genau deshalb „entscheiden“ wir uns niemals richtig. Es geht nicht um links oder rechts, sondern rein oder raus.

Depression und fehlende Entscheidung

Es läuft wie folgt: Entweder wir entscheiden uns dazu, das Leben anzunehmen und tiefer einzutauchen ins unsere Erfahrung, oder wir flüchten raus aus dem Leben und in den Verstand. Dann werden wir zwar niemals wieder glücklich, aber wir können wenigstens so tun, denn wir haben schließlich rationale Entscheidungen getroffen. Das ist der Grund, weshalb vielen Menschen im Laufe des Erwachsenwerdens jede Lebendigkeit und Lebensfreude abhanden kommen. Die Routine des Alltags, unseres Berufslebens oder Beziehungen geben uns Sicherheit, doch der Preis für die Anpassung mit Hilfe der Selbstbeherrschung ist das Leben selbst. So malen wir über die Jahre hinweg ein Bild von uns selbst mit tausenden Details und einem festen Rahmen drumherum, kontrolliert und ausbruchssicher.

Negative Erfahrungen werden zu vermeiden versucht, in dem unangenehme Gedanken und Emotionen verdrängt werden, statt sie durch uns durchfließen zu lassen, damit wir von ihnen wieder frei werden und uns voll und ganz spüren können. Depression ist nicht mehr als die Weigerung, der Wahrheit über uns selbst ins Gesicht zu schauen und den Verlust unseres Selbst wahrhaftig zu betrauern. Emotionen und Gedanken sind weder schlecht noch gut, sondern Objekte unserer Wahrnehmung und Realität, wie das Wetter oder das Schicksal selbst. Wir werden ihre Wahrheit nicht los, indem wir ihre Existenz leugnen und wir brauchen sie auch nicht zu analysieren. Dann würden wir nur an ihnen festhängen und unser Bild etwas übermalen. Nichts hätte sich geändert. Die gespeicherte Wut, Trauer, Angst machen uns einsam, selbst unter tausend Freunden. Uns fehlt die Energie zu echtem Kontakt allein schon mit uns selbst, geschweige denn anderen.

Um diese Verdrängung aufrecht erhalten zu können, entwickeln wir Süchte, die uns helfen, negative Emotionen nicht länger spüren zu müssen. Zigaretten, Alkohol, Pornographie, Social Media, Fernsehen, Essen. Wir hassen es, alleine mit uns selbst zu sein und können unseren Verstand nicht ruhig halten. Wir kennen keine Ruhe und schon gar nicht vor uns selbst, denn das Monster hinter dem Bild, welches wir von unserem Leben gemalt haben, macht sich bemerkbar. Wir sehen das Monster lange Zeit nicht, da es auf der Rückseite lauert und nur sehr langsam alle Farbe aus dem Bild saugt, uns zunächst seelisch und später vielleicht körperlich krank macht. Wir haben die perfekten Lösungen und Methoden entwickelt uns davon abzulenken, dass uns zum Kotzen, dass unser Leben tot-langweilig geworden ist und wir hoffen auf irgendeinen Schicksalsschlag der uns befreit. Doch er kommt nicht.

Akzeptanz

Wovor wir uns drücken, ist die Entscheidung, unser Leben wirklich zu leben. Wir glauben, dass wir es nicht könnten, weil wir uns selbst nicht lieben. Wer wissen will, wie sehr er flüchtet, der braucht sich nur einmal auf einen Stuhl zu setzen und zu versuchen, für zwei Minuten an nichts zu denken. Wer es schafft, sich länger zu beobachten, stellt fest, dass er voller innerer Unruhe ist. Etwas in uns ist kontinuierlich auf der Flucht. Etwas in uns will nicht präsent sein, wirklich fühlen, sich wirklich entscheiden für das Dasein. Die ganze Verzweiflung ist ein Mangel an Vertrauen. Zu meditieren ist ein guter Weg diesem Verhalten auf den Grund zu gehen. Es ist Training unserer Fähigkeit zur Annahme dessen, was gerade ist, ohne davonzurennen. Wir müssen zunächst lernen, unser inneres Chaos anzunehmen.

Wir müssen die Akzeptanz erlernen, wirklich alles fühlen zu wollen. In der Ruhe begegnen wir uns selbst und unseren mit dem Verstand und ständiger Selbstkontrolle unterdrückten Emotionen. Angst kriecht in uns hoch, die Angst vor dem Unvermeidlichen, dem Tod unserer Illusionen. Der Illusion von Kontrolle, die Angst vor dem Tod unseres so hübsch gepinselten Bildnisses. Platzt die Illusion, dann kann etwas wunderbares geschehen. Wir sehen uns selbst wieder. Hässlich, einsam, verzweifelt, frustriert, aber zum ersten Mal seit langer Zeit – frei. Wenn wir in diesem Moment innehalten und nicht davonlaufen, dann haben wir die Chance auf Veränderung und das Leben reicht uns die Hand. Wir müssen lernen, unsere Fluchtstrategien zu erkennen, sowie den Mut entwickeln, inne zu halten und zu lernen.

Da Intelligenz eine Eigenschaft des Bewusstseins ist und nicht des Verstandes, besitzen auch alle Tiere und Pflanzen vollen Zugriff auf das Potential göttlicher Intelligenz. Besser gesagt, die göttliche Intelligenz besitzt vollen Zugriff auf sie. Tiere erscheinen wie grobe Pinsel, jedoch vergessen wir, dass Lebewesen nie für sich selbst, sondern wie eine Zelle stets als Teil von etwas Größerem existieren. Aus der hohen Perspektive ist auch ein Tier ein winzig feiner Pinsel, mit dem das Bild der Welt gemalt wird. Der Mensch dagegen ist ein ausgefranzter Pinsel, der chaotische Bilder erschafft, da er sich gegen die Absichten des Künstlers stemmt. Wir müssen unsere Borsten neu ausrichten, so dass sie gerade aus stehen und nicht verwickelt sind und nach allen Seiten abstehen. Dann müssen wir aufhören uns gegen den Pinselzug des Künstlers zu stemmen und einfach unsere Rolle einnehmen. Echte Wunder geschehen, sobald wir dazu bereit sind.

Ein erleuchteter Mensch ist eine Person, die bereit ist alles zu fühlen, einfach alles.

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