12 Meditation

Meditation – Sinn und Unsinn

Es gibt so viele unterschiedliche Wege zu meditieren, zu kontemplieren und zu beten, dass vermutlich sogar Gott schwindelig wird, sollte er tatsächlich gezwungen sein da zuzuschauen. Hundert verschiedene Sitzpositionen und yogische Asanas sollen mir zeigen, wie ich am schnellsten zu eingeschlafenen Füssen komme und mehr Ausdauer für die Wartezeit in Arztpraxen erwerbe. Geführte Meditation entführt mich auf paradiesische Wiesen, wo ich von meinen alten Beziehungen loslassen kann und ich verdrehe meine Augen bei dem Versuch nach Innen zu blicken. Egal in welcher „spirituellen“ Richtung man sich ausprobieren möchte, um Meditation scheint man nicht drum herum zu kommen. Daher muss ich natürlich auch meine Methode vorstellen und zur unumgänglichen Pflichtaufgabe meiner Leserschaft erklären.

Worum geht es bei Meditation ganz grundsätzlich? Meditation geht eigentlich immer und überall. Egal was man gerade macht. Genau darum geht es. Meditation ist bewusst geführte Aufmerksamkeit. Alles was ich tue, kann ich aus bewusster Aufmerksamkeit heraus tun oder im Schlaf. Der Sinn ist also Präsenz zu zeigen im Dasein, statt passiver Selbstaufgabe an einen unbewussten mechanischen Ablauf. Wir flüchten zunächst aus der Präsenz, weil wir sie als Anstrengung empfinden. Etwas zieht uns aus der Gegenwart fort. Dieses Etwas wird dabei umso stärker, je mehr Umweltreize wir ausschalten. Kaufhausmusik dient bspw. dazu, uns im Unbewussten und emotionsgesteuert zu halten, so dass wir instinkthaft einkaufen und anfällig für die Verführung der Auslage werden. Wer klar fühlt, weiß was er braucht und ist kein guter Konsument mehr.

Die effektivste Form der Meditation zur Klärung des Inneren schaltet also so viele äußere Reize wie möglich aus und verzichtet auch auf Musik, Führung und einfach auf alles, was mich von mir selbst ablenken wird. Ich setze mich dabei einfach bequem und aufrecht auf einen Stuhl oder die Bettkante, schließe die Augen und beobachte was passiert. Ein untrainiertes Gehirn benötigt etwa 20 Minuten, um in die meditativen Frequenzen zwischen Schlaf und Wachzustand zu gelangen. Daher sollte eine Meditation also mindestens so lange, am Anfang etwa 30 Minuten dauern. Alle Gedanken die aufscheinen, werden angeschaut und wieder ziehen gelassen. Wenn etwas juckt, dann versuche ich es zu akzeptieren. Wenn ich das nicht schaffe, dann kratze ich mich eben und beginne von vorn. Niemand sollte es sich zu Beginn komplizierter machen.

Ein Weg der Liebe

Der Weg zu spiritueller Erkenntnis wie ich ihn gelernt habe und weitergebe, ist der Weg des Herzens, also der bedingungslosen Freiheit und Liebe. Etwas tödlicheres für das Ego gibt es nicht. Alles in dieser Welt und darüber hinaus besitzt ein Gefühl, ist ein Gefühl, eine Schwingung und fühlbare Essenz. Bedingungslose Liebe und Freiheit, die absolute Annahme der Schöpfung wie sie uns begegnet, ist mehr als eine Methode. Sie ist eine mystische Pforte. Dieses Tor zu spiritueller Erkenntnis öffnet sich, wenn sich mein Herz öffnet. Wenn ich zulasse, dass sich mein Herz aus der Gegenwart der Angst und Kontrolle löst und seiner inneren Weisheit öffnet. An jedem beliebigen Ort kann ich für einen Moment innehalten, tief ein- und ausatmen und mich auf das tiefgreifendste Gefühl von Liebe und Dankbarkeit konzentrieren, zu dem ich fähig bin. Ich kann es langsam und mit jedem Atemzug stärker werden lassen und zulassen, dass es mich erfüllt.

Ich stelle mir vor, dass ich eine Blase aus Liebesenergie erzeuge, die um mich herum wächst und sich in rosafarbenen Wellen um mich herum ausbreitet. Klingt das kindisch? Meinetwegen aber seit wann ist das etwas schlechtes? Ich bin Kind, mein Herz wird auf alle Ewigkeit das eines Kindes bleiben. Nur die Unschuld eines Kindes kennt die Bedingungslosigkeit, welche für den Kontakt mit echter Freiheit und Liebe notwendig sind. Wenn ich Schwierigkeiten habe, in das Gefühl zu kommen, weil ich traurig bin, dann denke ich an alles, für das ich Liebe und Dankbarkeit empfinde. So einfach ist das. Atmung eignet sich übrigens auch gut, um den Kopf zu leeren. Wenn ich es mir zum Meditieren auf dem Stuhl bequem gemacht habe, dann kann ich für einen kurzen Moment hyperventilieren. Den Bauch einziehen und die Luft herauspressen und dann durch die natürliche Ausweitung des Bauches beim Loslassen, die Luft wieder ohne Zwang hineinfließen lassen. Nach 10 bis 20 Atemzügen fängt der Körper an zu kribbeln, wird schwer und der Geist schaltet ab.

Sinn der Meditation ist die Annahme des Jetzt. Ich muss mir nicht vornehmen, ein bestimmtes Thema zu behandeln. Es geht darum zu betrachten, was von alleine hochsteigen will, es anzunehmen und wieder ziehen zu lassen. Mit der Zeit offenbart sich so, was tatsächlich in mir vorgeht und sich im Alltag vor mir verborgen hält. Lösungen für Probleme erscheinen, an die ich nie gedacht hätte oder sie lösen sich von alleine auf, da ich lerne, die Welt mit Leichtigkeit zu betrachten, statt aus quälenden Gedanken und Emotionen. Ich falle immer tiefer in die Erfahrung meines eigenen Bewusstseins und neue Welten beginnen sich zu öffnen. Hinter dem Schleier traumhafter Schwärze wartet ein eigenes Universum darauf erfahren zu werden.

Wohin geht die Reise?

Es bleibt mir selbst überlassen, für meine Meditation ein Ritual zu kreieren. Es ist gut, kreativ zu sein und nach dem eigenen Ausdruck von Dankbarkeit, Leichtigkeit und Glauben zu suchen. Nur dann wird mein Gebet an die Welt authentisch. Es lohnt sich, immer neue Aspekte meines Erlebens mit Aufmerksamkeit zu beschenken. Eine hervorragende und doch simple Möglichkeit die Verbindung mit dem eigenen Körper wieder aufzubauen ist, nach einer ersten Liebesmeditation eine Reise durch den eigenen Körper zu unternehmen. Ganz langsam die Aufmerksamkeit und einen Geist der Fürsorge durch die einzelnen Glieder meines Körpers zu senden, von den einzelnen Zehen hinauf bis zum Ohrläppchen und runter in die Fingerspitzen. Das Erlernen der Geduld für diese Übung hilft, meine Aufmerksamkeit auch im Alltag besser im Körper halten zu können. Die Energielosigkeit und Ängstlichkeit des modernen Menschen kommt nicht nur aus seinem Mangel an Bewegung, sondern auch aus der immer stärkeren Entfremdung vom eigenen Körper.

Im Laufe der Zeit erkenne ich, dass mein eigentliches Wesen nichts mit meinen Gedanken und Emotionen zu tun hat und ich diese angstlos loslassen kann. Verborgene unbewusste Emotionen und Gedanken steigen auf, werden betrachtet und nicht festgehalten. Die Wahrnehmung auf das, was tatsächlich in mir passiert, mich beschäftigt und steuert, wird immer klarer. Aus dieser neu erworbenen Klarheit heraus kann meine Seele die Kontrolle über das Geschehen erlangen. Ich beginne Dinge zu sehen, die ich sonst vor mir verborgen halte. Ich erfahre Zusammenhänge zwischen meinen körperlichen Beschwerden und ihren psychischen Ursachen. Ich sehe meine eigene Unzulänglichkeit, meine Lieblosigkeit, meine Flucht vor der Welt und mir selbst und ich kann anfangen zu verzeihen. Ich lerne, weshalb ich wurde, wer ich bin. Ich erfahre endlich die Wahrheit über mich selbst und erwerbe die Kraft, dieser Wahrheit zu folgen.

Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
Friedrich Nietzsche

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