14 Unschuld

Alle Spiritualität dreht sich darum, die Unschuld wieder zu entdecken, mit der wir geboren wurden und die wir im Trauma des Erwachsen werdens verloren haben. Shivi Verma

Verlust der Unschuld

Unbemerkt, doch direkt vor unseren Augen findet ein Kampf statt, älter als das Universum selbst. Die Auseinandersetzung zwischen Licht und Finsternis wird in unserer Welt selten mit Waffen ausgetragen. Täuschung ist unendlich effektiver, wenn man die Menschen dazu bringen kann „den Job“ selbst zu erledigen. Die materialistisch orientierte Zivilisation des Menschen arbeitet kontinuierlich an der Zerstörung der Unschuld, entweder durch Unterdrückung oder durch Korruption. Die Kräfte des Lichts können dem Menschen nur so weit entgegen kommen, wie dieser sich ihnen öffnet. Wir sind in der Bringschuld. Das Licht schuldet uns nichts. Wir sind freiwillig hier und uns „von oben zu befreien“ würde gegen die Unantastbarkeit des freien Willens verstoßen. Es ist nicht möglich, eine Seele zu befreien, die an ihrem Elend festhängt. Es ist genauso ihre eigene Wahl, wie sie sich korrumpieren lässt oder sich der Gewalt beugt. In diese erbarmungslose Welt geworfen zu werden, kann hart sein. Wir verstehen nicht, wer wir sind und was wir hier tun und wir erlauben einer Gesellschaft und anderen Menschen, die es noch weniger wissen, unser Leben zu bestimmen.

In unserem Streben uns durchzusetzen, Liebe und Aufmerksamkeit zu finden, in unserer Angst vor der Wahrheit über unsere Verletzlichkeit, lassen wir uns korrumpieren und beginnen die Gewalt zu akzeptieren. Unschuld ist der Urzustand des Bewusstseins. Kinder besitzen eine natürliche Unschuld und durch sie eine Verbindung zu allem, was sie umgibt, Gegenstände wie Personen oder Tiere. Kleine Kinder sind der Überzeugung, dass alles ihnen gehört. Sie fühlen, dass alles ihnen gehört. Während wir älter werden tauschen wir diese Magie gegen Fakten, unsere Unschuld für den Intellekt und in uns formt sich die Überzeugung, von allem getrennt zu sein. Dann erfahren wir die bezaubernde Magie der Unschuld nur noch über die Augen von Kindern und Tieren, deren Urteilslosigkeit gegenüber uns und der Welt sich so befreiend anfühlt. Ihre Verletzbarkeit stimmt uns sanft und erinnert uns an die Erfahrung der Unschuld ohne Angst vor Verletzung. Die mystische Reise der Selbstfindung führt uns zurück zur verlorenen Verbindung, durch Einreißen der Illusion unserer Trennung. Wir kehren zurück aus der Selbsttäuschung und erkennen die Unschuld als unseren natürlichen Zustand.

Unschuld ist nicht mit Naivität zu verwechseln. Naivität ist die Ignoranz gegenüber der Realität. Unschuld ist die unverfälschte Haltung einer Seele gegenüber der Existenz. Daran ist nichts naives. Nichts ist naiver, als die eigene Seele zu ignorieren, den Grund der eigenen Existenz und doch gilt diese Haltung weltweit als Zeichen von Stärke, Fortschritt, Intelligenz und Aufgeschlossenheit. Das sollte einem wirklich zu denken geben, hinsichtlich der Frage, wer oder was unsere Welt zur Zeit noch regiert. Naivität, Ignoranz bedeutet, in Trennung von der Wahrheit des Herzens zu leben. Wir erlangen unsere Unschuld wieder, durch die Klärung und Reinigung der von uns aus Angst angenommenen Ansichten und Verhaltensweisen. Diese Muster des Unbewusstseins, der Gleichgültigkeit und Kälte finden sich in jedem Menschen mehr als genug, um sich daran auf sehr lange Zeit hin abarbeiten zu können. Dieser Prozess wird aber fast nie freiwillig aufgenommen. Meistens geschieht etwas im Leben eines Menschen, das ihm zeigt, wie weit er sich bereits von sich selbst entfernt hat.

Kontrollierte Verrücktheit

Wir erlitten den Verlust der Unschuld und entfernten uns von uns selbst, weil es uns in einem entscheidenden Moment der Vergangenheit am Mut oder der Demut gefehlt hat, zu unserer eigenen Wahrheit zu stehen. Wir waren nicht bereit, etwas zu fühlen und erzeugten dadurch eine negative, ablehnende Einstellung gegenüber einem Teil der Welt. Wo immer wir uns verweigern, wird von nun an diese Negativität unsere innere Haltung und damit unsere Aufmerksamkeit dominieren. Da das Leben von unserer Aufmerksamkeit geführt wird, spiegelt es jetzt unsere eigene Einstellung zur Welt und wir stehen immer wieder aufs neue vor den gleichen Entscheidungen. Jedenfalls solange, bis wir wieder den Mut aufbringen unserem Herzen zu folgen, anstelle unserer Vorstellungen und Meinungen. Um meine Unschuld wiederzugewinnen, muss ich meine Erwartungen zügeln und von meinen Meinungen Abstand nehmen. Der Versuch, die Welt zu manipulieren, ist das verdeckte Eingeständnis, sich getrennt und machtlos zu fühlen. Warum sollte ich etwas erzwingen müssen, das mir ohnehin bereits gehört, von dem ich überzeugt bin, dass es mir zusteht?

Nichts ist so gerecht verteilt wie der Verstand, da jeder meint, dass er genug davon hat.

Die Arroganz des Verstandes zerstört unsere Intuition und unser vermeintliches Wissen die Unschuld. In einer Welt der Illusionen müssen wir uns durch tausende Täuschungen hindurchkämpfen, nur um am Ende wieder bei uns selbst anzukommen. Haben wir das einmal erreicht, dann unterscheiden wir uns nicht zwangsläufig durch das, was wir tun. Vielmehr ist es die Art und Weise, wie wir es tun. Die kontrollierte Verrücktheit ist Unschuld ohne Naivität. Wir befinden uns immer noch in der Welt und sind ein Teil von ihr, jedoch leben wir nicht mehr im Kampf mit der Welt, da unsere Seele um ihr zuhause an einem anderen Ort weiß. Die Dinge spielen sich aus, Dramen entstehen und wir können das nicht verhindern. Aus unserer neu gewonnenen Unschuld heraus aber, können wir erstmals frei entscheiden, wie weit wir uns verwickeln lassen und die Welt verwandelt sich zurück in unseren Spielplatz. Sie verliert ihre angestrengte Ernsthaftigkeit und aus der inneren Erfahrung der Selbstakzeptanz wächst unsere Akzeptanz und Verbindung zur Welt, so wie der Glaube an die Fülle und dass uns alles gegeben werden wird, was unser Herz begehrt.

Unschuld ist eine Kraft

Mit der Bewusstwerdung unserer Unschuld kann sich das Leben dramatisch verändern. Das Gesetz der Anziehung bevorzugt jene, welche die Welt lieben und sich von ihr nicht trennen. Unschuld ist wahres Selbstbewusstsein und echte Selbstliebe. Unschuld bedeutet innere Freiheit gegenüber der Zwanghaftigkeit und Kontrollsucht, der Überzeugung von Mangel, welche am Ende immer zu äußerem Mangel führen wird. Unschuld kann Angreifer durch Überraschung und ungewöhnlichem Handeln außer Gefecht setzen, denn sie erkennt frühzeitig die wahre Absicht und Motivation des Gegenübers. Unschuld offenbart die Intelligenz des Herzens. Unschuld bedeutet nicht Wehrlosigkeit von Körper oder Geist, sondern Wehrlosigkeit des Herzens. Seelische Offenheit selbst im Moment der Bedrängung gibt die innere Weisheit unserer Seele frei, lässt uns Lösungen finden und schenkt Kraft. Unschuld lässt uns mit der Kraft eines Kindes an das Gute glauben. Nur unschuldige Menschen können wirklich verstehen, was Freiheit und Glückseligkeit bedeuten.

Du musst verstehen, dass es nicht darum geht perfekt zu sein. Es geht darum Leichtigkeit zu entwickeln. Khris Krepcik

Die Aufgabe des Versuchs die Welt der eigenen Kontrolle zu unterwerfen, befreit uns von der Schuld. Suche die Nähe der Unschuld in der Natur und bei den Tieren. Spiele mit den Kindern und allen, die mehr fühlen, aber weniger wissen. So entdeckst Du, dass Ernsthaftigkeit eine Krankheit und Gott in der Urteilslosigkeit zu finden ist. Der Verlust der Angst vor der Verurteilung befreit uns und ermöglicht tiefe spirituelle Erfahrungen. Die Wahrnehmung höherer Ebenen erfolgt mit unserer Fähigkeit sie mit unserer Seele zu berühren. Wir müssen werden, was wir erfahren wollen. Uns begegnet, was in uns ist. Wer spirituelle Erfahrungen machen möchte, der muss den Mut besitzen, sich in die Urteilslosigkeit zu begeben, denn die bedingungslose Liebe ist die urteilslose Annahme der Existenz. Gott urteilt nicht, er liebt. So wie ich dazu fähig bin, kommt mir der Ursprung der Existenz in seiner bedingungslosen Akzeptanz für mich entgegen. Dann wird das kindliche Staunen über das wahre Wesen der Welt, welches sich vor mir entfaltet, stetig zunehmen. Auch wenn das Leben bleibt was es ist, so weicht die Angst immer mehr der Dankbarkeit und ich bin wieder ein Kind, das nie auf die Idee käme, sich für seine Nacktheit zu entschuldigen.

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