18 Geduld

Geduld bedeutet nicht abwarten zu können,
sondern positive Erwartungen, Glaube zu besitzen!

Ausdauer und Leidensbereitschaft

Über den Mythos des Erfolgsmenschen predigt unsere Gesellschaft Ausdauer und Leidensbereitschaft als Tugenden auf dem Weg zum Erfolg. Man glaubt, dass neben Glück und Talent, vor allem anderen der Wille zum Erfolg entscheidend ist, welcher sich in der Ausdauer und Leidensbereitschaft eines Menschen widerspiegelt, die man mit Geduld gleichsetzt. Manche Filme und Philosophien gehen auch darauf ein, dass die psychische Überzeugung, den Anforderungen gewachsen zu sein, elementar für den Erfolg ist. Im Prinzip ist das alles nicht falsch, doch wird eine wichtige Komponente immer vergessen.

Diese ist die tiefere Absicht unseres Herzens und der natürliche Fluss unserer Lebensenergie. Wenn man zum ersten Mal in Kontakt mit dieser Kraft tritt, dann wird einem schnell klar, dass die bisher gemachten Ziele und Vorstellungen von einem glücklichen Leben mit den wahren Wünschen unserer Seele selten zu vereinbaren sind. Wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von Deinen Plänen. Das richtige soziale Umfeld, der richtige Beruf, der richtige Partner, alle diese Vorstellungen werden zumeist aus einem Gefühl des Mangels und der Entfremdung von uns selbst geboren.

Dem System liegt selbstverständlich herzlich wenig daran, die Menschen daran zu erinnern, dass sie ein Herz besitzen, welches sie führen kann. Ein Herz, das keine fremden Vorstellungen von Glück benötigt, keine Strategien und keinen Businessplan. Stattdessen füttert es den Mangel in den Herzen mit Konzepten und Versprechungen und pflanzt in uns die Überzeugung ein, nicht gut genug für unser persönliches Glück zu sein. Denn jedes Glück, das die Gesellschaft verspricht, basiert immer auf einem Vergleich mit anderen, auf dem Wettbewerb um das Lebensglück, bei dem man sich beweisen muss.

Dieser Trick dient der Gefangenschaft der Menschen in einem Hamsterrad der Anstrengung, da sie nun annehmen, dass nur genug Schweiß, Leid und Zeit sie irgendwann ans Ziel führen können. Es wirkt der Geduld entgegen, denn es bedeutet, dass ich nicht gut genug bin, solange ich nicht am Ziel bin. Die Erziehung zu diesem Denken sitzt tief, da wir es von unseren genau nach diesem Muster verwirrten Eltern übernommen haben. Der anschließende Raub unserer Lebenszeit durch Schule und Universität dient als perfekte Gehirnwäsche zur Übernahme fremder Lebenskonzepte, Ideale und sozialer Muster. Verlorene Seelen gebrochen durch Langeweile, Disziplin und Stumpfsinn lernen keine echte Geduld.

Ohne Anpassung an die Erwartungen der Lehrer mache ich keinen Abschluss, werde ich nicht die Erwartungen meiner Vorgesetzten oder meines zukünftigen Lebenspartners erfüllen können und auch nicht die meiner Kinder, welche ich nach kurzer Zeit der Freiheit dann selbst wieder auf diesen unnötigen Leidensweg der Selbstentfremdung schicke. Die Angst vor dem sozialen Versagen wird kontinuierlich in die Gehirne gepumpt. Selbstverständlich hat die Gesellschaft kein Interesse daran, diesen Kampf jemals enden zu lassen. Das beste Verkaufsargument das der Werbeindustrie zur Verfügung steht, ist die Angst vor dem Verlust sozialer Anerkennung.

Diese muss man sich erarbeiten, indem man das Siegertreppchen besteigt. Was dazu führt, dass sich Menschen gegenseitig ausgrenzen, weil sie sich im Kampf wähnen. Ein Kampf, von dem sie sich Respekt und Anerkennung versprechen, welche sie mit der Zuneigung verwechseln, die sie eigentlich suchen. So werden sie dann auch immer leerer und verlieren zunehmend die echte Freude am Leben, während sie sich einreden, dass doch alles gut sei, denn man hat ja was erreicht. Mit dem was man im Außen erreicht hat, lenkt man sich dann den Rest des Lebens davon ab, was man nie gewagt hat zu leben.

Ungeduld

Sind die von uns gewählten Ziele also die richtigen? Wie kann ich die Karotte vor meiner Nase von der Absicht meiner Seele unterscheiden? Die Karotte dient dazu zu verhindern, dass sich Menschen aus dem Hamsterrad der Gesellschaft verabschieden und das machen, woran sie im Herzen glauben, weil sie feststellen mussten, dass alle Versprechungen leer oder unerreichbar sind. Dabei ist es der fehlende Zugang zum eigenen Herzen, der die Ziele unerreichbar werden lässt, da sie niemals unsere eigenen waren und in Wahrheit fremden Mächten dienten.

Dieser Missbrauch unserer Energie aus Angst das zu verlieren, von dem man glaubt, dass es Erfüllung bringt, lässt uns depressiv und unglücklich werden. In der Konsequenz verlieren wir Lebensenergie und müssen uns diese wieder von Außen künstlich zuführen. Wie durch den Konsum der Lebensenergie und Aufmerksamkeit anderer Lebewesen und Menschen. Wir werden zu den gleichen Parasiten und Vampiren wie jene, die uns für diese Ausbeutung programmiert und zum ersten Mal gebissen haben.

Falsche Träume lassen sich nur durch die Ausbeutung unserer Lebensenergie oder der anderer erreichen. Echte Träume dagegen erreichen wir weniger über die äußere Anstrengung und mehr über das Loslassen von unserer inneren Anstrengung, mit der wir uns von unserer Wahrheit ablenken. Wir tun das aus Angst nicht gut genug zu sein, weil wir gelernt haben im Mangel zu denken. Wir glauben, dass uns etwas fehlt, das uns erst würdig werden lässt, unsere wahren Ziele und Wünsche kompromisslos verfolgen zu dürfen.

Ein Mangel an Geduld ist ähnlich wie Neid ein Glaube an die eigene Machtlosigkeit zur Verwirklichung des Lebensglücks – Ungeduld ist die Emotion der Hilflosigkeit, der Glaube etwas nicht verdient zu haben. Neid ist die Überzeugung, dass man zu kurz gekommen ist, weil einem etwas weggenommen wurde. Wir befinden uns im Kampf mit der Welt und anderen um die Erfüllung unseres Lebensglücks. Wir befinden uns im Mangeldenken. Die Folge sind unbewusste negative Überzeugungen, welche der Verwirklichung des Gewünschten im Wege stehen.

Am Ende halten wir uns für Verlierer, weil wir ein Spiel gespielt haben, das wir niemals gewinnen konnten, weil wir es in Wahrheit niemals spielen wollten. Dabei ist es egal, ob wir von beruflichen Perspektiven oder Beziehungen sprechen. Wie oft halten wir an einer Karriere oder Beziehung fest, nicht weil sie uns erfüllen würden oder das jemals könnten, sondern weil wir uns in falscher Bescheidenheit mit dem Mittelmaß begnügen, andere nicht enttäuschen wollen, unseren sozialen Standards entsprechen wollen, letztlich Angst davor haben, den Kontakt zu all jenem zu verlieren, das uns bisher Sicherheit gab.

An der Sicherheit zu klammern kostet jedoch Lebensfreude, Entwicklung und Erkenntnis. Wir verzichten auf den tieferen Sinn unseres Lebens, weil wir nicht genug Glauben besitzen. Natürlich verbrauchen wir dann unsere Energie und Lebensfreude, wenn wir ein Leben führen, das unsere Seele auffrisst. Wenn nur der Erfolg unserer Vorstellungen und falschen Träume uns Energie zurückgeben kann und niemals unsere Arbeit oder Beziehungen selbst, dann haben wir uns endgültig selbst verraten. Unsere fehlende Geduld ist der fehlende Glaube an die Leidenschaften unseres Herzens.

Geduld ist Glaube

Wenn ich etwas im Herzen spüre ohne Zweifel, dass es mir geschenkt werden wird. Was bedeutet es dann zu wissen, wann es mir geschenkt werden wird? Es macht dann keinen Unterschied mehr, wann es sich erfüllt. Glaube ist die Fähigkeit zur Manifestation unseres seelischen Traums. Je mehr ich fühle, was mein Herz umtreibt, desto stärker wird es mir bewusst und ich verliere meine Zweifel. Ohne meine Zweifel schließlich, kann ich ewig warten und weil ich jetzt ewig warten kann, dauert es nicht mehr lange, bis es Wirklichkeit wird. Das ist das Paradox der Manifestation unserer Träume.

Wenn ich aber aus Angst Träume verfolge, die nicht die meinen sind, dann wird sich ein wichtiger Teil in mir immer gegen ihre Erfüllung wehren und ich werde ständig Energie aufwenden müssen, um ihn niederzuknüppeln. Natürlich kann ich niemals wirklich aus dem Herzen an etwas glauben, das den Wünschen meines Herzens widerspricht. Und auch wenn ich die Wünsche kenne, sie aber in meinem Mangel an Glauben auf Menschen und Situationen projiziere, die mir keine Erfüllung geben können, dann werde ich die Erfahrung machen müssen, dass mein Traum platzt.

Es gibt noch ein Paradox. Wir alle haben die Erfahrung machen müssen, dass unsere Träume sich nicht erfüllen ließen, trotz aller Leidenschaft und Emotion, die wir in sie gesteckt hatten. Aber Leidenschaft und Emotion sind kein Zeichen von Glaube. Innere Ruhe, Vertrauen, der Mut zu investieren ohne um das Ergebnis zu wissen, die Demut den Dingen ihre Zeit zur Reife zu lassen, das sind Zeichen des Glaubens. Der Glaube selbst jedoch, die Geduld ewig warten zu können, ist ein Wissen, ein Erfühlen der Wahrhaftigkeit dessen, was man in die Gegenwart kommen spürt.

Es ist ein Vorausahnen von etwas Zukünftigem und keine übernommene Vorstellung oder Fantasie. Durch die zunehmende Bekanntschaft mit dem Gefühl, welches das Erhoffte positiv beschreibt, lernen wir Vertrauen in seine Erfüllung. Dafür müssen alle jene negativen Emotionen überwunden werden, welche dem Gefühl seinen Raum streitig machen wollen. Je größer die Vorahnung und die ungestillte Sehnsucht hinter unserem Traum ist, desto größer werden auch die Ängste sein, welche wir zu seiner Erfüllung überwinden lernen müssen.

Die Seele weiß um die Größe ihrer Absicht, aber sie kann sich erst nach dem Loslassen übernommener Glaubenssätze bemerkbar machen. Unsere Ängste und Meinungen verhindern, dass wir die Absicht unserer Seele fühlen können, denn es ist ein Gefühl, das uns Orientierung gibt und keine Idee. Das Gefühl ist wie ein Kompass und unserer Angst nachzugehen bedeutet, die Kompassnadel immer deutlicher auszurichten und so immer besser unserem Gefühl folgen zu können. Geduld ist Glaube, ist die Kunst „ewig“ warten zu können, da die Angst vor dem Versagen besiegt wurde und die seelische Überzeugung sich immer stärker bemerkbar macht.

Wenn ich weiß, was ich unveränderlich will, dann besitze ich die göttliche Ausdauer meiner unsterblichen Seele, da alles andere im Glanz der seelischen Absicht vergeht. Mehr und mehr rückt das tiefste Wollen unserer Existenz in unser Bewusstsein und beendet alle Ablenkungen durch Klarheit. Diese Klarheit ist wahrer Glaube und zieht die Verwirklichung magisch an. Echter Glaube ist die Macht, welche unsere Wünsche in Erfüllung gehen lässt. Unerschütterlicher Glaube ist eine transformierende, spirituelle Kraft.

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