21 Dankbarkeit

Die Welt schuldet uns nichts – sie war vor uns da!
Mark Twain

Rückblick in Dankbarkeit

Der Sommer hat sich für einige Zeit zurückgezogen und ich sitze hier auf meinem Balkon, spüre wie die Müdigkeit nach all den Entwicklungen und Erkenntnissen der ersten Jahreshälfte mich melancholisch werden lässt. Es kostet Kraft, sich beständig zu hinterfragen und an sich zu arbeiten. Aber statt sich in solchen Momenten runter ziehen zu lassen und in Negativität zu schwelgen, lässt sich die Zeit wunderbar nutzen, um das Erreichte in Dankbarkeit anzuerkennen. Wachstum fordert auch Ruhephasen. Gerade jene Momente, in denen sich scheinbar nichts tut, geben der Psyche den Raum sich neu zu formieren. Der wesentliche Teil unseres Wachstums vollzieht sich ohnehin im Unterbewusstsein und zu lernen, die Ruhe zu akzeptieren, hilft uns tatsächlich loszulassen.

Der letzte Schritt hat immer mit Akzeptanz tun. Wir können forschen, nachdenken und an uns arbeiten, aber im letzten Moment müssen wir alles Tun aufgeben. Wir müssen erkennen, wann der Moment gekommen ist, uns selbst nicht weiter zu fordern, sonst hängen wir weiter fest an dem Glauben, nicht gut genug, nicht vollständig zu sein. In der Tradition des japanischen Zen-Buddhismus erhält der junge Mönch mit Eintritt in das Kloster ein scheinbar paradoxes Rätsel das ihn begleiten wird, Koan genannt. Es soll dazu dienen, den Schritt vom Denken zum reinen Fühlen anzuleiten und eine wichtige Erkenntnis in der Meditation zu erlangen. „Zen ist die größte Lüge von allen“ lautet bspw. ein bekanntes Koan.

„Selbstverbesserung ist Masturbation“ lautet ein ebenso bekanntes Zitat aus dem Film Fight Club. Wir müssen an uns arbeiten. Wir müssen aber auch erkennen, wenn wir aus unserer Selbstverbesserung eine weitere Flucht gemacht haben. Spiritualität ist keine Religion. Wir werden nicht erwachter wenn wir uns quälen. Die Entwicklung der Persönlichkeit zu innerer Freiheit durch Mut und Demut verleiht uns den Zugang zu unserer seelischen Kraft und zur bewussten Erzeugung der Realität. Demut zu beweisen kann auch bedeuten, nicht verändern zu wollen. Mut zu beweisen kann auch bedeuten, sich selbst als gut genug zu begreifen und das Leben anzugehen und nicht länger zu warten. Wir müssen an uns arbeiten, aber wir sollten das Leben dabei nicht verpassen.

Tugend

Energetisch weibliches, passives Handeln, ist die Fähigkeit der Seele zur Anziehung von Gelegenheiten. Energetisch männliches, aktives Handeln ist das Wahrnehmen von Gelegenheiten. Zwischen diesen beiden energetischen Prinzipien muss je nach aktueller Situation gewechselt werden. Befinde ich mich also in der Warteschleife, so habe ich das passive Prinzip auf meiner Seite, um eine Gelegenheit reifen zu lassen, wenn ich Geduld gelernt habe. Ist die Gelegenheit gekommen, dann muss ich in das aktive Prinzip wechseln, um ein Ereignis tatsächlich zu initiieren. Ein Handeln oder Nicht-Handeln nach menschlichen, rationalen oder emotionalen Vorstellungen wird sich oft als kontraproduktiv erweisen, da sich das Universum nicht um meine Vorstellung von Richtig und Falsch schert. Bin ich also passiv, während das Leben Aktivität verlangt, so verpasse ich eine Gelegenheit.

Besitze ich Ungeduld in der Aktivität, so fühle ich mich wahrscheinlich wertlos oder unfähig und stoße die auf mich zukommende Anerkennung wieder von mir. Besitze ich Ungeduld in der Passivität, so handle ich als Bedürftiger und entferne von mir die Gelegenheit, welche nur auf mich wartet. In beiden Fällen bringe ich das Universum dazu, mir die mögliche Erfüllung meines Bedürfnisses wieder zu entziehen. Ständige Aktivität besitzt ihre Wurzel im egoistischen Drang die Welt zu unterwerfen, damit sie mir nicht entkommt und dauerhafte Passivität stellt ein Anspruchsverhalten dar. Ich meine etwas verdient zu haben, ohne etwas leisten zu müssen oder ich habe wiederum Angst, nicht gut genug zu sein. Bei zwanghafter Aktivität wachsen auch beständig die Widerstände, welche überwunden werden müssen und bei konstanter Passivität verliert man die persönliche Kraft zum Widerstehen äußerer Einflüsse und wird kraftlos.

Um mich nicht in sinnloser Aktivität oder pessimistischer Passivität zu verlieren und dem Leben das Vertrauen zu schenken, mich zu führen, übe ich mich in den Tugenden meiner Seele. Diese Tugenden helfen, die Psyche zu befreien und ihre gemeinsame, gleichmäßige Entwicklung führt zur Selbstverwirklichung der Seele, so wie ihrer Träume. Das folgende Schema dient der Meditation und wer sich damit beschäftigt wird tiefere Ebenen erkennen, als die unten stehende kurze Erklärung.

Liebe-Freiheit: Der göttliche Zustand vollständiger, bedingungsloser Akzeptanz dessen, was ist.
Achtsamkeit: Die neutrale Hingabe, die bewusste Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt.
Mut: Die männliche Energie der aktiven Hingabe, welche die äußere Freiheit zur Verwirklichung meines seelischen Traums schafft.
Demut: Die weibliche Energie der passiven Hingabe, welche die innere Freiheit zum Empfang des Segens der Welt und ihrer Wunder schafft.
Mitgefühl: Die Wahrnehmung äußerer Bedürfnisse und Realitäten.
Tapferkeit: Die Einsatzbereitschaft zum notwendigen Handeln.
Glaube: Die Fähigkeit dem Traum der Seele zu nachzuspüren.

Erfüllung

Die ultimative Tugend zur Realisierung von Wünschen ist Dankbarkeit. Wenn wir uns in jedem Moment aller Dinge bewusst sind, für die wir dankbar sein sollten, dann spüren wir, dass wir uns auf dem Weg zu uns selbst befinden. Fehlende Dankbarkeit ist Misstrauen in unsere eigene Existenz. Fehlende Dankbarkeit ist das Gegenteil des Glaubens und sie liegt der tiefen Überzeugung zu Grunde, dass uns niemals etwas geschenkt werden wird, wir nichts verdient haben, für das wir nicht bitterlich geweint und gekämpft haben. Die Wahrheit aber ist, dass Dankbarkeit uns daran erinnert, dass wir nicht alleine sind und dass das Universum es gut mit uns meint. Dankbarkeit erzeugt ein Gefühl von Fülle und Reichtum. Dankbarkeit ist eine Form von Liebe, die sich dem tief sitzenden Mangeldenken unserer Psyche entgegenstellt. Wenn wir uns erinnern dankbar zu sein, dann verändern sich unsere Emotionen, damit unsere Gedanken und so unser Schicksal.

Was immer sich unsere Seele wünscht, was sie verwirklichen will in diesem Leben, lässt sich nur mit Dankbarkeit erreichen. Die Wünsche unserer Psyche, des Egos lassen sich auf vielen Wegen erkämpfen. Die wahre Sehnsucht unserer Seele jedoch erfordert eine Herangehensweise die unserer heutigen Kultur vollkommen fremd ist. Eine neue magische Sicht auf die Welt wird notwendig, wenn wir das Kind in uns wieder zum Lachen bringen wollen. Die spirituelle Welt kann sich uns nicht öffnen, solange wir glauben, dass wir sie uns im Kampf mit uns selbst und anderen erstreiten müssten oder dass sie uns etwas schuldig wäre. Der Schmerz über den Verlust unserer seelischen Heimat muss gefühlt und wahrgenommen werden, damit wir den Mut entwickeln unsere Grenzen zu überschreiten, die Demut unsere alten, fehlgeschlagenen Wege aufzugeben und einem neuen, noch unbekannten Horizont entgegen gehen können.

Wir müssen zuerst beginnen zu fühlen wer wir sind, um herauszufinden wohin wir wirklich gehen wollen. Der Traum unserer Seele offenbart sich, wenn wir lernen still zu halten und alles ehemals gelernte wieder vergessen. Unsere Seele benötigt keine Anleitungen, keine Meinungen, keine Analysen oder Abwägungen um zu wissen, wer sie ist und wohin sie will. Wir müssen nur zuhören, annehmen und den nächsten Schritt tun.

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