22 Sinn und Sein

Nur scheinbar hat ein Ding eine Farbe, nur scheinbar ist es süß oder bitter. In Wirklichkeit gibt es nur Atome und leeren Raum – Demokrit

Der Geist ist als einziges mit keiner anderen Sache vermischt. Daher existiert nur er für sich selbst – Anaxagoras

Der größte Irrtum aller Zeiten

Die Philosophen Demokrit und Anaxagoras lebten beide im Griechenland des vierten und fünften Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung. Beide waren berühmte Gelehrte ihrer Zeit und schillernde Persönlichkeiten mit weitreichendem Einfluss über ihren Tod hinaus. Sie befassten sich mit dem Wesen und Sinn der Welt und des Menschen. Demokrit kam zu der Überzeugung, dass auf dem tiefsten Grunde der Existenz, bedingt zur Erschaffung der Welt selbst, elementare Bausteine des Lebens existieren müssten. Sie nannte er Atome (altgriechisch: átomos, das Unteilbare) und definierte sie als voneinander trennbar, unendlich hart, unveränderlich und ewig. Alles was existiere, sogar die Seele selbst, sei aus diesen Grundstoffen gebaut. Damit widersprach er den älteren Modellen der Philosophie und seinem Zeitgenossen Anaxagoras, die den Ursprung der Existenz im Bewusstsein zu finden glaubten.

Es gibt keine Materie an sich, sondern nur ein Gewebe von Energien, dem durch intelligenten Geist Form gegeben wird – Max Planck

Damit war eine Frage in den Raum geworfen worden, die über Jahrtausende niemand zu beantworten wusste. Was kam zuerst, die Materie oder das Bewusstsein? Erst zweieinhalb Jahrtausende danach wurde die Frage beantwortet. Und obwohl sie mit der Entdeckung der Quantenphysik vor fast hundert Jahren bereits beantwortet wurde, zugunsten des Bewusstseins als Ursprung der Existenz, ist die menschliche Zivilisation tief geprägt von der Überzeugung in einer Welt unveränderlicher Objekte zu existieren. Wir gehen in allen großen Kulturen immernoch davon aus, die Welt sei eine aus kleinsten Bausteinen zusammengesetzte Konstruktion ohne eigenen Geist. Diese Denkweise ist auf jeder gesellschaftlichen Ebene Bestandteil des aufgeklärten modernen Denkens geworden, wie es sich über die Jahrhunderte auf der ganzen Welt ausgebreitet hatte.

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind – Albert Einstein

Das gefährliche an dieser Art des Denkens ist nicht bereits ihre Existenz an sich, sondern die Verführung mit ihrer Hilfe scheinbar Macht über die Natur zu gewinnen. Die unheilige Allianz entsteht aus der Motivation einer seelisch unreifen Menschheit, die beginnt den Verstand um des Verstandes willen zu nutzen, um sich so ihrer Ängste zu entledigen. Sie bemerkt dabei nicht die Triebfeder, die Sucht nach Kontrolle zur Flucht vor dem Unbewussten. Am Ende erschaffen wir mit Hilfe des von unseren Dämonen entführten Verstandes Probleme, die wir wiederum mit dem gleichen Werkzeug zu lösen hoffen. Wir sind dabei so völlig blind geworden, dass wir das offensichtliche gar nicht mehr erkennen können. Wir wissen heute, dass Demokrit unrecht hatte. Wir wollen es nur noch nicht wahrhaben, denn die Konsequenz wäre ungeheuerlich.

Der Sinn des Lebens

Erst wenn ein Mensch sich im „erwachsenen“ Denken und in einer Welt aus Bausteinen und Objekten verliert, beginnt er nach dem Sinn des Lebens zu fragen. Für ein Wesen das noch nicht begonnen hat die Welt in ihre Bestandteile zu zerlegen, macht diese Frage keinen Sinn. Für gewöhnlich glauben wir, dass diese Frage Zeichen höherer geistiger Fähigkeiten wäre. „Ich denke also bin ich“ – falsch gedacht! Sie ist das Brandmal unserer flammenden Dummheit. Wonach wir durch unsere Art des modernen Denkens tatsächlichen fragen, ist nicht Sinn, sondern Zweck und Funktion. In einer Welt aus Objekten heiligt der Zweck die Mittel, denn alles, was ein Objekt besitzen kann, ist seine Funktion. Der Zweck ist Resultat der Absicht, mit der ein Betrachter Nutzen aus der Funktion eines Objekts zieht.

Ein Teller besitzt den Zweck als Unterlage zu dienen. Er hat aber keinen Sinn, denn Sinn ist eine Wahrnehmung, ein Gefühl. Ein Teller nimmt nichts wahr. Wenn also alles in der Welt aus Objekten geschaffen wurde, die gesichtslosen Naturgesetzen folgen und nur einen Zweck und Funktion besitzen können, aber keinen Sinn, was sagt das über uns aus? Sind wir nicht auch ein Objekt, zusammengefügt aus einzelnen Atomen? Wo ist da der Sinn? Es gibt keinen! Die Konsequenz ist die vollkommene Trennung. Alles was existiert, kann auf seinen kleinsten Bauteile heruntergebrochen, auseinandergenommen, untersucht und wieder zusammengesetzt werden. Die ultimative Macht des Verstandes ist seine Fähigkeit diesen Prozess in Gedanken zu vollziehen. Darin ist nichts falsch. Aber eben diese Illusion der Kontrolle hat uns dazu verführt, die Welt nur mehr aus seinen Augen zu betrachten.

Wenn alles nur noch einem Zweck zu dienen hat, dann ist für die Seele kein Platz mehr. In der Konsequenz entfernen wir uns immer weiter von uns selbst und der Welt. Wir werden immer mehr zu einem bloßen Betrachter, dessen Leben auf seine Funktion reduziert wird. Darin unterscheiden wir uns erheblich von unseren Vorfahren allein vor gerade einmal zweihundert Jahren, als das Leben der meisten Menschen noch sehr nah an der Natur war und nicht vom Rhythmus der Maschinen bestimmt. Die Menschheit wächst und rückt zugleich immer enger zusammen. Wir erschaffen so einen Dampfdruckkochtopf menschlichen Wahnsinns, den wir aber nie zu heilen versuchen, sondern nur mit immer mehr Technik künstlich zusammenhalten, während wir zeitgleich immer abhängiger vom Takt der Maschinen werden.

Die Wahrheit über uns selbst

Wie gesagt, die Technik an sich ist nicht das Problem, aber die Tendenz, dass sie immer weniger uns dient, sondern wir immer mehr ihr. Weshalb ist das so? Die Probleme auf unserem Planeten sind nicht nur, aber zu einem großen Teil die Konsequenz aus unserer inneren Entfernung von allem anderen was lebt. Was uns die Maschinen geben ist eine Illusion der Macht. Wir lieben diese Kontrolle, weil uns das Leben Angst macht. Das grundlegende menschliche Bedürfnis die Welt, sich selbst und alle anderen beherrschbar zu machen, ist der Teufel im Detail der schönen neuen Welt. Angst ist der stärkste Motor der menschlichen Zivilisation. Es ist diese Angst, die unsere Kultur gedanklich immernoch im neunzehnten Jahrhundert gefangen hält. In einer Kultur welche die Welt als Uhrwerk betrachtet und das, weil wir etwas ganz entscheidendes vergessen haben. Nämlich, dass wir in der tiefsten Tiefe unseres Seins ein Gefühl sind und der bedingungslose Sinn unser Geburtsrecht ist.

Das soll nicht bedeuten, dass wir nicht zugleich Sinn und Funktion haben können. Selbstverständlich, doch muss der Sinn gefühlt werden, bevor wir einem lebendigen Wesen eine Funktion zuteilen und sei es uns selbst. Es ist das die Ursache, weshalb wir in einer Welt leben, in der Dinge geliebt und Lebewesen benutzt werden. Über Jahrtausende hinweg haben wir uns dazu verführen lassen, in allem etwas niedrigeres zu sehen, das der kompromisslosen Macht unseres Verstandes nichts entgegenzusetzen hatte. Wir haben alle weltweit massakriert die noch in Verbindung mit dem Rhythmus und dem Herzen der Erde standen, die in den Tieren Brüder, in den Pflanzen höhere Wesen und in Bergen, Wäldern und Flüssen Götter sahen. Wir verspotten sie bis heute, weil wir die Fähigkeit zu fühlen gegen ein kaltes Herz getauscht haben. Wir atmen nicht mehr im Rhythmus des Lebens, wir fühlen uns selbst nicht mehr und deshalb haben wir unseren Sinn verloren.

Da wir in Wahrheit ein Gefühl sind und keine Objekte, können wir eben nur über das Gefühl das wahre Wesen, den Sinn und die Gegenwart eines anderen Bewusstseins begreifen. Alles was existiert besitzt eine Aura, ein Gefühl, eine tiefere Wahrheit und wir können uns mit ihr verbinden. Alles lebt, Pflanzen, Menschen, Tiere, Landschaften, alles ist Information, Energie und Leben. Wir wissen heute, dass unsere Welt nicht aus Atomen besteht, sondern aus einem unsichtbaren Ozean von unendlicher Energie und Intelligenz. Aus diesem geistigen Ozean steigt einer Welle gleich empor, was uns als Welt begegnet. Wenn wir verstehen lernen, dass wir Kontakt aufnehmen dürfen mit allem was existiert, dann werden wir beginnen uns selbst nicht mehr so einsam zu fühlen. Vielleicht leben wir dann irgendwann in einer Welt, in der Lebewesen geliebt und Dinge benutzt werden. So wie es sein sollte.

Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grunde des Bechers wartet Gott – Werner Heisenberg

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