26 Die Welle

Im Bewusstsein

Bewusstsein entsteht nicht im Kopf. Ich bin auch nicht mein Kopf, nur weil meine Augen, Ohren, Mund und Nase zufällig an meinem Kopf entspringen. Eigentlich ist es noch nicht einmal mein Kopf. Aber es ist mein Bewusstsein, das durch die ihm gegebenen menschlichen Sinne in die Welt eintaucht und ihre Reize aufnimmt. Mein Bewusstsein sitzt deswegen nicht hinter meinem Auge. Mein Auge ist nur die Kamera, der Fokus, mit dem ich die Umgebung des Körpers erblicke. Seit unsere Seele in die Erfahrung des Menschseins eingetaucht ist, einige Wochen nach der Zeugung des Körpers, sobald das Nervensystem entwickelt genug war, tauchten wir ein in diese magische neue Welt. Sie saugte uns so sehr auf, dass wir bereits in den ersten Jahren unseres irdischen Lebens unsere wahre Herkunft vergessen hatten.

Alles um uns herum scheint nur im Hier und Jetzt zu existieren, gefangen in der Erfahrung von Zeit und Raum, Leben und Tod. Doch der Anfang, der Ursprung von Zeit und Raum ist ewig und immer präsent. Unser Bewusstsein hat Anteil an diesem Anfang, ist ein Aspekt von ihm und in ihm ist alles aufgehoben, was geschieht. Ohne es, wäre nichts und in ihm ist alles. Oder wie der englische Dichter William Blake so schön sagte: „Wenn die Menschen die Pforten ihrer Wahrnehmung öffnen könnten, alles erschiene ihnen wie es ist, ewig und grenzenlos.“ An den Grenzen der wissenschaftlichen Wahrnehmung unserer Welt existiert auch keine Materie mehr, sondern ein Meer aus Informationen. Ein Rauschen ohne Anfang und Ende, Klänge die kein menschliches Ohr zu hören vermag und Melodien so fremd, dass wir sie nie verstehen werden.

Ein Meer aus psychischen Strömen

In diesem Meer der feinstofflichen Existenz, aufgefangen im Bewusstsein des Universums selbst, spielt der Mensch nur eine unbedeutende Rolle. Aber wir sind da und wir sind ebenfalls ein Rauschen unter Myriaden in der Unendlichkeit. Das Wellenrauschen der menschlichen Rasse, dieser kleine Ozean von Milliarden an individuellen Schwingungen und Gefühlen, besitzt eine eigene Identität. Was wir in unserem Bewusstsein als unsere eigene Persönlichkeit wahrnehmen, ist nicht der alleinige Ausdruck unserer individuellen Seele. Die Informationen unserer Persönlichkeit vermischen sich kontinuierlich mit den Schwingungen und Informationen aller, mit denen wir verbunden sind. Unsere Familie, unsere Vorfahren, unsere Kollegen, Freunde, Ehepartner, den Menschen die an uns vorbeigehen, ja mit den Schwingungen des ganzen Planeten.

Die Emotionen und Gedanken anderer Menschen besitzen Auswirkungen auf unser eigenes Wohlbefinden. Die Gegenwart mancher Menschen tut uns gut, stärkt uns und verleiht uns Energie. Die Gegenwart anderer Menschen dagegen saugt uns aus, lässt uns leer zurück und wir fühlen uns benutzt. Wir merken es nicht, aber wir befinden uns ständig im Einflussgebiet der psychisch-energetischen Strömungen unseres Umfeldes. So wie die konzentrischen Wellen eines Regentropfens auf der Oberfläche des Wasserspiegels sich gegenseitig verstärken oder auslöschen können, so beeinflussen alle Impulse eines Individuums auch die seiner Umgebung. Daher ist es so wichtig, die innere Stärke zu entwickeln, allein stehen zu können und sich von den emotionalen Stürmen seiner Umgebung nicht mitreißen zu lassen.

Wenn wir uns dem Zeitgeist und den unbewussten Manipulationen der Menschen ausliefern, dann erleiden wir auch das gleiche Karma. Karma ist nichts anderes, als die Konsequenz aus meiner inneren Haltung zur Welt. Meine Perspektive prägt mein Handeln und somit ihr Ergebnis. Wenn wir stärker werden und unsere Seele auf die Welt bringen wollen, dann müssen wir die Kraft entwickeln, den psychischen Strömen zu widerstehen, mit denen wir konfrontiert werden. Vom Positiven her betrachtet, ja, wir sind alle miteinander verbunden. Und da unser Bewusstsein außerhalb von Zeit und Raum steht, besitzt es auch theoretisch grenzenlosen Zugriff auf alle vorhandenen Informationen vom Beginn bis zum Ende des Universums. Der Zugriff auf diese Informationen und damit ihre Energie, erhalten wir jedoch nur durch die Integration ihrer Schwingungen in unserem eigenen Schwingungsfeld.

Selektive Realität

Was wir erfahren oder sein wollen, das müssen wir also zunächst in unserem Inneren verwirklichen, bevor es zur materiellen Realität werden kann. Dabei müssen wir unterscheiden lernen zwischen all jenen psychischen Strömungen unseres Umfelds, die dem Wollen unserer Seele entgegenkommen und solche, die uns weniger freundlich gesinnt sind. Wir müssen lernen zu unterschieden, was wir sein wollen und was nicht, was wir nur übernommen haben und uns eigentlich fremd ist und was wir schon immer im Herzen getragen haben. Erwachsen werden bedeutet, zwischen den eigenen und den fremden Impulsen trennen zu lernen. Ein Neugeborenes tut das noch nicht. In seiner Offenheit übernimmt es schutzlos alle äußeren Energien und Einflüsse und verwandelt sich so in eine Kopie seines Umfelds, ohne bewusste Erinnerung an seine Bestimmung und sein eigentliches Wesen.

So sind wir gezwungen, alles Übernommene wieder von uns abzuschütteln, um zu jenem Kern unseres Wesens vorzustoßen, der seinen Ursprung allein in unserer Seele besitzt. Haben wir diese Kraftquelle einmal gefunden, dann liegt es an uns zu entscheiden, welche Kräfte die Entwicklung unserer Psyche bestimmen. Wir müssen mit Bedacht auswählen, aus welchen Emotionen und Gedanken wir unsere Welt erschaffen. Nur solche aus unserem Herzen stammen auch wirklich von uns selbst und nicht aus einem der vielen psychischen Ströme, die unser Leben begleiten. Eine Seele ist etwas, das man sich verdienen muss. Wir verdienen sie uns, indem wir ihrer gewahr werden und uns für sie entscheiden. Nur die falsche Freiheit des menschlichen Egos liefert sich den fremden Strömen aus in der Hoffnung, diese für sich nutzen zu können.

Ein Weg mit Herz

Das Ego, unsere Identifikation mit den Emotionen und Gedanken unserer Psyche, möchte von diesen nicht loslassen. Das zu tun wäre sein Tod. Und so redet es uns ein, dass es auch unser Tod wäre, es gehen zu lassen. Diese Furcht vor einem nicht existenten Tod ist der Ursprung aller weiteren Ängste. Diese Ängste bringen nun die Psyche dazu, gegen das ureigene Interesse der Seele zu kämpfen. Es möchte den psychischen Strömen seiner Umgebung nicht entkommen, es möchte sie regieren. Eben das, ist das grundlegende Motiv des kollektiven Feldes, sowie aller psychischen Muster und Energien, die um ihr „Überleben“ kämpfen. Hier ist eine entscheidende Ursache des Leids und der menschliche Tragödie. Die Blindheit für die Unschuld und Schönheit des eigenen Wesens, lässt uns blind werden für die ganze Welt.

Das evolutionäre Ziel spiritueller Entwicklung ist die Erschaffung eines stabilen, auf sich selbst konzentrierten psychischen Feldes, während wir zeitgleich offener für die Wahrnehmung fremder Felder werden. Hier entfaltet sich erst die Freiheit und Liebe einer unsterblichen Seele, verwirklicht sie sich als Mensch. Der Weg dahin geht über das Erkennen und Loslassen von psychischen Strömen und fremden Energien in unserem Bewusstseinsfeld. Sobald wir über unsere eigene und fremde Geschichte hinausgewachsen sind, gelangen wir zurück zur Quelle unserer Kraft, Schönheit und Bestimmung als Seelen im menschlichen Kleid. Der Weg unserer Seele führte uns aus der Ewigkeit hinaus und für einen kurzen Augenblick hinein in die menschliche Existenz. Aber der Weg eines Herzens endet nicht hier. Er ist so unendlich wie das Universum selbst.

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