27 Seelengravitation

Wer Macht sucht, der soll in die Paläste gehen. Wer Reichtum will, der muss die Märkte besuchen. Wer Weisheit sucht, der soll in die Wüste gehen!

Arabisches Sprichwort

Das Gesetz der Anziehung

Eine der bekanntesten esoterischen Lehren ist die vom Gesetz der Anziehung. Leider ist sie auch eine der am meisten missverstandenen. Es klingt so schön einfach. Man muss sich nur selbst fest genug einreden, dass etwas wahr ist, dann wird es auch war. Teilweise mag das stimmen. Auch ist diese Einstellung weit verbreitet. Selbst bei Leuten, die sich bisher noch nie mit esoterischen Lehren beschäftigt haben. Das Missverständnis liegt darin zu glauben, dass sich das Universum dafür interessieren würde, was sich mein Ego so ganz doll und feste wünscht. Wenn das so funktionieren würde, dann hätten wir bereits als Kinder herausgefunden und bis zum Letzten ausgekostet, wie wir das Universum nach unserer Pfeife tanzen lassen.

Die bekannteste Überlieferung des Gesetzes aus der europäischen Tradition finden wir in den altgriechischen Schriften der Hermetik, deren Herkunft vermutlich noch älteren, ägyptischen Ursprungs ist. Seit ihrer Wiederentdeckung in der Renaissance werden diese alten Texte von Magiern und Mystikern interpretiert und weitergegeben und fanden so Eingang in die moderne Esoterik, wie sie von Franz Bardon, Aleister Crowley und anderen Geistern des 19. Jhr. geprägt worden ist. Das damalige Weltbild war mechanisch und materiell ausgerichtet und nicht mit dem mythischen Lebensgefühl der Antike zu vergleichen. Der Geist, aus dem heraus dieses Gesetz interpretiert wurde, war ein anderer als der, der es geformt hatte.

Das metaphysische Gesetz der Anziehung besagt, dass unsere Realität der Ausrichtung unseres Bewusstseins folgt. Darin sind sich alle einig. Der entscheidende Unterschied ist die Selbstwahrnehmung des modernen Menschen, seine Definition von Persönlichkeit, welche die Ausrichtung seines Bewusstseins lenkt. Der moderne Mensch glaubt, dass er selbst ist, was er fühlt und denkt. Deshalb glaubt er auch, nur „das Richtige“ denken zu müssen, um sein Schicksal verändern zu können. Der antike Mensch war sich noch bewusst, dass seine Emotionen und Gedanken Spiele und Eingebungen der Götter darstellen. Phänomene, auf die er keinen direkten Einfluss besitzt.

Das Gesetz der Kongruenz

Unsere Gedanken und Emotionen folgen mitunter dem unsichtbaren Fluss von Energien und Entscheidungen, die wir nicht unter Kontrolle haben. Daher können wir uns auch nicht vornehmen, die Welt anders wahrzunehmen, als wir es eben tun. Wenn wir uns schlecht fühlen und uns dann vornehmen, den Tag mit einem Dankgebet zu beginnen, wen wollen wir damit verarschen? Um nicht falsch verstanden zu werden: es ist durchaus wichtig, dem Leben in Dankbarkeit und Freude zu begegnen! Es ist aber fatal, wenn wir dabei unsere wahren Gefühle ignorieren. Diese werden nicht verschwinden. Wir verdrängen sie nur aus unserer Wahrnehmung.

Das Gesetz der Kongruenz beschreibt die Fähigkeit unseres Bewusstseins, alles in unsere Realität zu ziehen und Wirklichkeit werden zu lassen, worauf wir uns konzentrieren. Es würde die meisten Menschen zu Tode erschrecken, wären sie sich darüber bewusst, wie treffend es ist. Karma ist das andere Ende in der Gleichung dieses Gesetzes. Das Universum reagiert nicht nur auf all das, was uns bewusst ist, sondern noch mehr das, was uns nicht bewusst ist: unsere geheimen Absichten, unsere verdrängten Ängste und stillen Aggressionen. Es spiegelt so unsere innere Welt und die der Menschen und Wesen unserer Umgebung, denen wir als Kinder schutzlos ausgeliefert waren.

Während wir als Kleinkinder noch im tiefen Kontakt mit dem Willen unseres höheren Selbst stehen und ein Gefühl besitzen für den Wert und das Ziel unserer Existenz, so verlieren wir diesen Zugang mit jeder neuen Verletzung und Missachtung unserer Persönlichkeit. Der Druck zum reinen Überleben beraubt uns so unserer Selbst-Bestimmung. Erst nimmt er uns das Gefühl für uns selbst, während wir vom Wahnsinn der Welt überschwemmt werden und nachdem er uns mit diesem angesteckt hat, verlieren wir uns erneut im Spiegelkabinett unserer künstlichen Persönlichkeit. Um den Weg zurück zu uns selbst zu finden, müssen wir die Schnitzeljagd der Suche nach uns selbst beginnen.

Das kommentierte Gesetz der Anziehung

Das Leben passiert uns und wir öffnen uns einer Erfahrung, die uns geschenkt wird. Eigentlich ist da niemand, der etwas tun müsste. Wir können uns bewusst für die Erfahrung entscheiden wir selbst zu sein. Wir entscheiden uns aber nicht dafür, was das ist. Unser Ego ist nur Zuschauer und unsere emotionale Persönlichkeit eine Illusion. Wir brauchen uns nicht vornehmen etwas anderes zu sein als das, was wir sind. Statt dessen müssen wir lernen zuzulassen, was aus uns selbst heraus wachsen möchte. Wir müssen den Mut entwickeln, uns nicht länger selbst im Weg zu stehen und die Demut zuzugeben, dass wir eigentlich nichts unter Kontrolle haben.

Das kommentierte Gesetz der Anziehung lautet: Folge Deiner Freude und Du kommst in Kongruenz mit Deinem höheren Selbst, mit dem Teil in Dir, der mit allem verbunden ist. Deshalb und aus keinem anderem Grund, öffnen sich bisher unsichtbare Türen, passieren magische Zufälle und Wunder, sobald wir uns selbst erkennen und unserer wahren Freude im Herzen folgen. Wenn wir lernen ohne Angst zu leben, dann befinden wir uns nicht länger im Widerspruch mit uns selbst und der Welt. Wir senden eine klare Botschaft an den Urgrund der Existenz, dass wir nun bereit sind, unsere Aufgabe zu erfüllen. Die Belohnung für diesen Mut wird jede nur erdenkbare Unterstützung sein.

Wenn wir genau aufpassen, dann werden wir feststellen, dass es auch immer so war, dass das Leben uns zwar nicht vor allem beschützen kann, aber das wir die Unterstützung des Universums besitzen, eben jene Erfahrungen zu machen, auf die wir uns konzentrieren. Nur müssen wir verstehen lernen, was das genau ist. Wir müssen uns eine lange Zeit aus der Normalität verabschieden, um zu Freaks und Außenseitern zu werden, damit wir „realisieren“ können, wer wir wirklich sind. Wir müssen die Einsamkeit der Wüste ertragen, um uns selbst zu finden. Das menschliche Wollen kann diesen Prozess weder erzwingen noch verhindern. Unsere Aufgabe ist es nur zu verstehen, was Liebe ist. Alles andere dürfen wir dem Universum überlassen.

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