Der heilige Gral II

Nichts auf der Welt (in der Matrix) ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
René Descartes

Luzifer in der Matrix

Nach der griechischen Mythologie brachte der Titan Prometheus (Altgriechisch für „der Vordenker“) den Menschen das Feuer und erhob sie so zu Göttern über die Welt. Er befreite den Menschen aus seiner tierischen Dumpfheit und gab ihm die Zivilisation. Für diesen Frevel wurde er von Göttervater Zeus an eine Felswand des Kaukasus genagelt, wo ein Adler täglich von seiner ewig nachwachsenden Leber essen sollte. Luzifer (Latein für „der Lichtträger), der gefallene Sohn Gottes, verführt in der Gestalt der Schlange den unschuldigen paradiesischen Menschen dazu, die verbotene Frucht zu essen, die ihm die Wahrheit über die Welt offenbaren würde, damit er ebenbürtig werde zu Gott. Die Schlange ist auch das Symboltier des nordischen Gottes Loki (Altnordisch für „der Luftige“). Als Halbgott und Riese ist er Vermittler zwischen der Welt der Götter und der Unterwelt, ist Miterschaffer des Menschen, listenreicher Täuscher, mal Helfer mal Gegner der Götter, aber am Ende nur an seiner eigenen Sache interessiert.

Diese mythologischen Figuren und ihr Anteil an der Schöpfung der menschlichen Zivilisation kennzeichnen auf einmalige Weise das europäisch-vorderasiatische Verständnis des Menschen als sich selbst bestimmender Akteur, der mit Hilfe seines Geistes zu höchsten Höhen aufsteigt, aber durch seine eigene Arroganz wieder zu Fall kommen muss. Ein ausgeprägter Freiheitsdrang und die Betonung des Individuums gegenüber der Masse ist eine kulturelle Besonderheit des Westens, geboren aus seiner Bewunderung für die Macht mentaler Vorstellungskraft. Diese Macht ist eine zweischneidige und gefährliche Waffe und der heutige Selbsthass des Westens ist nicht zuletzt auf Grund ihres Missbrauchs entstanden. Wo die göttliche Waffe der Unterscheidung dazu dient über die Welt zu urteilen, sich über sie zu erheben, da beginnt die luziferische Täuschung und der Absturz in die Unterwelt, die Matrix. Das ist aber nicht die Schuld des Verstandes und man mag sich fragen, weshalb die Götter es zuließen, dass die Menschen das Feuer behalten konnten?

Die Entwicklung der mentalen Fähigkeiten und die richtige Perspektive auf die Frage, was Intelligenz überhaupt ist, würde uns ermöglichen aus der Täuschung Luzifers eine heilige Waffe zu machen. Die Waffe der intuitiven Unterscheidungsfähigkeit ohne Urteil über die Welt, aber im Kontakt mit der gespeicherten Erfahrung, ihrer Essenz. Schöpferische Intelligenz ist eine Qualität der Seele und sie entsteht durch die Öffnung von Geist, Herz und Körper und der Reinigung von Blockaden in unserem Energiesystem. Ich kann jahrzehntelang Yoga als Sport ausüben und am Ende doch keine einzige spirituelle Erfahrung in meinem Körper machen. Ich kann mich in Selbstbeherrschung üben um Ende doch nur zu lernen, meine Gefühle zu verdrängen. Weil ich nie die richtige Perspektive eingenommen habe, nie verstanden habe worum es eigentlich geht. Das gleiche gilt für den Verstand und die Fähigkeit, ihn für das einzusetzen wozu unsere Seele ihn gebrauchen möchte.

Die zwei Ringe der Matrix

Um mit meinem Geist die Erfahrung des sich auflösenden Egos im Hier und Jetzt zu erleben, muss ich lernen meinen Geist zu transzendieren. Ich muss ihn in seiner Funktionsweise so verstehen, wie ich die Emotionen und den Körper verstehen lernen muss. Andernfalls bleibe ich auf der Stufe eines Kindes zurück, unschuldig aber auch unfähig die eigene Verantwortung zu realisieren. Beide Ebenen befinden sich ohnehin im Wechselspiel zueinander und nur eine Seite zu verstehen wird dazu führen, dass meine spirituelle Entwicklung blockiert und immer langsamer voranschreiten wird. Ein untrainierter, durch die Normen seines eigenen Denkens vernebelter Verstand kann soviel meditieren wie er will, er bleibt doch immer lebensfeindlich und dreht sich am Ende nur um sich selbst. Geist und Körper müssen wahrgenommen und geschult werden, damit unser Bewusstsein sie als Werkzeuge der Erkenntnis nutzen kann. Intelligenz in jeder Form ist unmittelbares Verständnis und Erkennen der Natur dessen, was in meiner Aufmerksamkeit liegt.

Die Exzellenz des Denkens und eine klare Vorstellung meiner inneren Landkarte ist genauso wichtig wie die Klarheit über meine emotionale Welt und mein Körperbewusstsein. Wenn ich keine strukturelle Klarheit und Integrität in meinen Gedanken besitze, dann wird sich die aus meiner emotionalen Arbeit gewonnene Energie entweder sinnlos verstreuen und neuen inneren Stress erzeugen oder zur Abhängigkeit von kollektiven Mustern führen. Es gibt zwei definitive Dimensionen der seelischen Versklavung durch das Kollektiv. Eine Seele ist etwas, das man sich verdienen muss. Wer wahrhaft frei sein will, der muss sich in aller Konsequenz von seinen psychosomatischen und rational-kulturellen Abhängigkeiten lösen. Beide Dimensionen der Manipulation unserer Wahrnehmung zusammen bilden erst die Matrix, das System unserer Selbsttäuschung als Menschheit.

Unser individuelles Bewusstsein entsteht aus den in unserem seelischen Energiekörper vorhandenen Informationen, Erinnerungen an vergangene, gegenwärtige oder zukünftige Formen der Existenz. Diese rein energetischen Informationsfelder stehen nie für sich alleine. Unsere erlebte Welt ist die Konsequenz aus dem Gleichklang derjenigen Informationen und Frequenzen in uns, auf die wir uns konzentrieren mit ihren Entsprechungen im Außen. Eine in uns gespeicherte Information kann sich ändern und somit auch unser seelisches Informationsfeld, unsere Wahrnehmung von uns selbst und der Welt. Selbsttäuschung entsteht, wenn wir uns in der Sogwirkung des kollektiven Bewusstseins verlieren. Die Macht der Matrix ist nichts weiter als die Gleichschwingung aller in ihr vorhandenen Bewusstseinsformen. Diese verhalten sich dabei als ein eigenständiger seelischer Organismus, der nur an seinem eigenen Überleben interessiert ist. Das gilt auf allen Ebenen, doch nur auf der Ebene des Geistes werden wir uns dieser Tatsache individuell bewusst.

Wenn wir unsere Seele „zurückgewinnen“ wollen, dann sind wir dazu aufgerufen, uns aus der erzwungenen Gleichschwingung mit der kollektiven Selbsttäuschung zu verabschieden. Die Angst den Kontakt mit dem zu verlieren, womit wir uns aktuell identifizieren, was uns bisher Sicherheit gegeben hat, ist die große Hürde.Wenn wir beginnen unsere Perspektive zu verschieben und die Welt anders wahrzunehmen wie die Menschen um uns herum, dann kann es schnell passieren, dass wir in Konflikt geraten. Die Matrix mag es nicht, wenn sie die Quelle ihrer Kraft verliert, die freiwillige Abgabe unserer seelischen Energie. Unsere emotionale Abhängigkeit ist den in unserem Körper gespeicherten Erfahrungen und Traumata unseres Lebens und den Informationsfeldern unserer Familie und Kultur zu verdanken, denen wir ausgesetzt waren. Erinnerungen an traumatische Erlebnisse und strukturellem Missbrauch überleben viele Generationen. Es handelt sich gewissermaßen um unser psychosomatisches Erbe, das wir durch unser Einverständnis Körper zu sein, freiwillig angenommen haben.

Der Weg des Westens

Die psychosomatische Ebene teilen wir mit allem Leben auf der Welt. Die rationale Abhängigkeit von Überzeugungen und Denkmustern entsteht erst in einer zweiten Energiematrix, an der unter den irdischen Lebewesen der Mensch wohl den Löwenanteil besitzt. Über die biologische Fessel hinaus besitzt der Mensch also eine zweite. Der kollektive Verstand bildet durch seine sprachlichen Muster und Symbole eine zweite Ebene der Interpretation mit Hilfe unseres Bewusstseins. Solange wir also unseren eigenen Anteil an der Mitschöpfung dieser Matrix nicht erkannt haben, kann keine Versöhnung zwischen Geist und Materie stattfinden. Es ist unsere genuin menschliche Aufgabe, diese Versöhnung zu bewerkstelligen und so den luziferischen Trieb des Urteils über die Welt, die Anmaßung so sein zu wollen wie Gott in ihrer Wurzel verstehen und damit heilen können. Wir sind dazu berufen die „Erbsünde“ wieder gutzumachen und so eine Brücke zwischen den Welten zu errichten.

Es ist das zweischneidige Schwert des Verstandes, welches die westliche Welt so überaus erfolgreich hat werden lassen. Keine andere Kultur versteht sich so gut darin dieses Schwert zu führen. Die Kraft der Unterscheidung ist die Wurzel wissenschaftlichen Denkens, der Philosophie und aller geistigen Erkenntnis. Sie führte aber auch zum Urteil über die Welt, ihrer Einteilung in das moralisch Gute und zu verabscheuende Böse. Diese Haltung gegenüber der Welt, ihre Aufwertung und Abwertung durch den Verstand ist es, was die wahre Intelligenz des Geistes verschleiert. Überheblichkeit führt in jedem Fall zum Untergang. Die Aufgabe des westlichen Menschen wäre es gewesen, dieses Schwert zum Verständnis für alle Ebenen der Existenz zu führen. Heute lehnen nun große Teile der westlichen Bevölkerung ihr eigenes Erbe ab, da sie den Schaden erkennen, der mit seiner egoistischen Nutzung erzeugt wurde. Selbsthass ist aber keine Lösung, der Geist ist aus der Flasche und wenn wir ihn nicht einfangen können, dann niemand.

Das Licht Luzifers kann nicht bekämpft werden, weil es nur einen weiteren Missbrauch der gleichen Fähigkeit zur Unterscheidung darstellen würde. Nur kompromisslose Hingabe und Bereitschaft der Wahrheit über mich selbst zu begegnen, meinen eigenen Geist mit allen seinen Windung anzuschauen, anzuerkennen und ihm mit bedingungsloser Offenheit zu begegnen, kann ihn erlösen. Den heiligen Gral zu erringen bedeutet, dieses Schwert nicht zu führen. Wenn Urteilslosigkeit und Mitgefühl meinen Geist ausfüllen, dann führt sich das Schwert Luzifers von selbst und aus dem falschen Versprechen des gefallenen Engels wird eine heilige Waffe, das Schwert des Erzengels Michael (Hebräisch für „wer ist wie Gott?“). Nur dieser Waffe, dem erleuchteten Verstand ist es möglich, die Täuschungen der luziferischen Matrix vollständig zu durchdringen und die Aufgabe des Menschen zur Vollendung zu bringen. Im Mythos der Gnostiker ist es der göttliche Logos, das Mensch gewordene Sonnenkind, sein Licht und sein Verständnis für die Welt, welches die Materie erlösen wird.

Der heilige Gral ist die Offenbarung des Lichts nach der urteilslosen Unterscheidung des Geistes zwischen Wahrheit und Täuschung.

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