Der heilige Gral III

Nichts ist im Verstand, was nicht zuvor in der Wahrnehmung wäre – Arabisches Sprichwort

Die Aventurien des Ritters Parzival

Die Erzählung von den Abenteuern des Möchtegernritters Parzival, der sich auf die Suche nach dem heiligen Gral macht, beginnt mit der Lebensgeschichte seiner Eltern. Sein Vater Gahmuret durchzog den Orient auf der Suche nach Abenteuern und fand eine afrikanische Stadt belagert von zwei Heeren. Einem schwarzen und einem weißen Heer, das alle seine acht Tore umkämpfte. Gahmuret verfällt der schönen Königin, besiegt für sie die Heerführer und befreit so die Stadt. Zusammen mit der schwarzen Königin hat er einen Sohn, den Halbbruder Parzivals der Feirefiz (altfranz.: „Der Gescheckte Sohn“) genannt wird. Die beiden Heere, wie auch Parzivals Vater und die Königin, symbolisieren die Kräfte der Ordnung und des Chaos. Sie zerren an den Wahrnehmungskräften des Menschen, seinen Toren und Öffnungen (Chakren) und suchen ihn für sich zu gewinnen. Parzivals Vater verlässt Feirefiz und seine Mutter späterhin und begegnet Herzeloyde, der zukünftigen Mutter Parzivals.

Auch dieser bleibt er nicht treu und folgt wieder unverbesserlich seinem Abenteurerleben, weshalb Herzeloyde verhindern möchte, daß Parzival wie sein Vater wird. Sie zieht daher mit ihrem Gefolge in den Wald, um ihren Sohn vor der ritterlichen Gesellschaft zu verstecken. In der Folge entwickelt sich Parzival zu einem ansehnlichen und mutigen, aber auch kindlichen Narren, der sich für den Rest seines Lebens an der Gesellschaft eine blutige Nase holen wird. Seine naive Ehrlichkeit erweckt immer wieder Spott und selbst am Hofe König Arthurs gewinnt er zunächst nur wenige Freunde. Unter diesen befindet sich Gawain, ein Tafelritter mit hohem Status und besten höfischen Sitten. Niemand kann so kommunizieren wie er, doch ist er nicht unbedingt der Standhafteste unter dem Druck seiner Leidenschaften. Jeder von beiden wird seinen eigenen Schatten begegnen müssen, bevor sie zu ihrer Bestimmung finden können und so erzählt der Epos von ihrer beider Schicksalswegen.

Gawain, der die Verbindung zwischen Parzival und seinem Halbbruder Feirefiz halten wird, findet seine Mutproben in einer Festung die man leicht betritt, aber aus der man nur schwer wieder herauskommt. Sie steht für die Verführungskraft unserer Emotionen und die Schwierigkeit sie wieder zu befrieden. Parzival dagegen sucht Munsalvaesche die Gralsburg auf, in die man schwer hineinkommt, aber leicht wieder hinausgeworfen wird. Was ihm bei seinem ersten Besuch auch passiert, da er zwar unschuldig im Herzen ist, aber ohne spirituelle Tiefe und Erkenntnis dessen, was er selbst eigentlich sucht. Die Gralsburg steht für die höchste Erkenntnis des Seins, welche den Tieren, Kindern und geistig Armen von Natur gegeben ist, die aber dennoch zu keiner seelischen Eigenverantwortung fähig sind. Erst ein demütiger Verstand besitzt die notwendige Reife zur Unterscheidung. Der Weg dorthin führt durch die Wüste der Selbstzweifel.

Körper, Herz und Geist

Nach seinem Rausschmiss aus der Burg holt Parzival sein Karma ein, die Konsequenzen all seiner in Unschuld begangenen Vergehen, die ihm mit einem Mal zur Last auf seiner Seele werden. Jetzt erst, da er die eigene Verantwortung realisiert, beginnt er die Fähigkeit der Unterscheidung zu erwerben. Der Weg der Buße führt ihn durch die Wüste der Hoffnungslosigkeit und Entfremdung des Geistes und sein Unverständnis für die Natur der Welt. Der an allem verzweifelnde und Gott zürnende Parzival ist nun dazu berufen zu innerer Klarheit zu gelangen, indem ihm das rechte Bild von der Welt erwächst. Die spirituelle Reise führt eine Seele vom Wurzel-Chakra und seiner rein körperlich-tierischen Erfahrungswelt hinauf zum höchsten Potential des Erwachens in menschlicher Form durch die Öffnung der höchsten Chakras, dem Tor zu geistiger Erkenntnisfähigkeit. Dort dürfen wir jedoch nicht stehen bleiben, denn die Aktivierung des luziferischen Verstandes ist gefährlich.

Der Verstand, das zweifelhafte Geschenk Luzifers an die Menschheit, besitzt die Tendenz sich selbst zu krönen, zu Gott zu erheben und sich die Welt untertan zu machen. Der Glaube, echte Erkenntnis aus dem Denken allein zu ziehen, hat den Menschen verführt. Die Lehre echter Demut gegenüber der Unbegreifbarkeit und Tiefe der Schöpfung will er nicht annehmen. Er hält stattdessen daran fest, die Welt beherrschen zu müssen. Der Mensch macht diesen Fehler immer wieder, denn auf jeder Ebene der Wahrnehmung versucht er erneut, sich die Welt untertan zu machen. Erst wenn er zur Demut findet, eröffnet sich mit der Unschuld des Staunens auch ein neuer Weg. Dieser führt wieder hinunter in die Tiefe des Körperlichen, so daß das Licht der höchsten Ebene zum tiefsten Kern seines Wesens vordringen kann. Jetzt erst findet Versöhnung von Körper und Geist statt.

Das Herz(-Chakra), im symbolischen Zentrum des Geschehens, ist der Vermittler zwischen Parzival, dem wachen Geist und Feirefiz, dem Körper. Nur Parzival kann den Gral erkennen, doch Feirefiz kann den Gralshüter erkennen. Gawain, das Herz kann seinen Weg erspüren, es kann ihn aber weder verstehen, noch sprachlich kommunizieren. Das allein ist die Fähigkeit des Geistes. So ist der Geist eine abschließende Ebene sinnlicher Erfahrung, eben in der Form von Sprache. Der Geist kann, wie der Körper auch, unabhängig von uns agieren und damit existieren. Wer auch nur einmal versucht hat fünf Minuten in stiller Mediation zu sitzen, der wird festgestellt haben, dass es nicht so leicht ist, den Verstand an seinem Selbstgespräch zu hindern. Geist, Herz und Körper existieren außerhalb von uns, solange Gedanken, Emotionen und Instinkte uns beherrschen. Erst unser intuitives Verständnis für ihr jeweiliges Wesen, erworben auf dem ihnen jeweils eigenen Schlachtfeld, ermöglicht ihr Zusammenspiel unter der Regie unserer Seele.

Das Wesen der Intelligenz

Eben hier steht die Einmaligkeit der Tradition westlicher Philosophie den mehr körperlich oder psychologisch orientierten mystischen Traditionen ergänzend gegenüber. Echte Intelligenz ist Sensibilität. Sensibilität ist die ungeteilte Aufmerksamkeit für das Objekt meiner Beobachtung. Meine gewählte Perspektive (körperlich, emotional, geistig) entscheidet schlussendlich darüber, auf welchem Kanal ich meine Antwort erhalte. Keine Antwort ist dabei grundsätzlich besser als die andere, doch offenbaren unterschiedliche Perspektiven auch unterschiedliche Aspekte der Realität. Jede Form von Intelligenz, sei sie körperlich, emotional oder geistig ist in ihrem Ursprung die Fähigkeit Wahrzunehmen, also eine Grundeigenschaft unseres Bewusstseins. Die Fähigkeit unsere Sinne zu verwenden. Unser Gehirn ist dabei nur ein Radioempfänger für genau die Musik, auf deren Wellenlänge wir uns eingestellt haben.

Wahrnehmung und Akzeptanz bedingen einander. Wir können nur etwas wahrnehmen, dessen Existenz wir auch bereit sind zu akzeptieren. Realität, die wir aus unserer Wahrnehmung verbannen weil sie uns zu unangenehm ist, wird unsichtbar. Während wir uns also vor der Erfahrung verschließen, wecken wir gleichzeitig den Automatismus der Selbstrechtfertigung im Verstand. Nun versuchen wir unsere eigene getäuschte Wahrnehmung von der Welt aufrecht zu erhalten und die Wahrnehmung anderer zu dominieren, andere ebenfalls von der Echtheit unserer eigenen Täuschung zu überzeugen, um der Realität nicht begegnen zu müssen. Wir müssen uns erst wieder öffnen für die Erfahrung, indem wir lernen die Welt so zu akzeptieren, wie sie ist und dabei voraussetzen, dass wir ihr wahres Wesen niemals vollständig begreifen werden. Erst wenn wir es der Welt selbst überlassen, uns das Wesen Realität zu offenbaren, verwandelt sich die Kontrollsucht unseres Verstandes in das Geburtsrecht unserer Seele, die Intuition.

Wir können unseren Körper als Ressource verbrauchen und dabei Abhängigkeit und Krankheit erzeugen. Wir können unsere Emotionen dazu verwenden andere Menschen einzuschüchtern oder ihre Aufmerksamkeit zu beherrschen. Wir können unseren luziferischen Verstand benutzen, um die Welt zu unterwerfen, aber all das macht uns nur zu Gefangenen unserer Instinkte, unserer Ängste und der mangelnden Einsicht. Ohne es zu begreifen, werden wir auf diesem Weg immer mehr von Kräften gesteuert, die unserer Seele fremd sind. Ohne echte Intelligenz. Talent ist die Summe meiner körperlichen, emotionalen und geistigen Grundvoraussetzungen. Talent macht mich zu einer funktionsfähigen Maschine, aber mehr nicht. Erst die Intuition macht aus der Maschine einen Menschen. Wir können lernen unseren Körper zu beherrschen, unsere Emotionen zu beruhigen und unseren Verstand mit Nachsicht zu nutzen, um so das ganze Potential unserer intuitiven Intelligenz auf allen Ebenen unseres Wesens zu öffnen.

Diese Öffnung von Körper, Herz und Geist für die Kraft unserer Seele lässt den Menschen selbst zum heiligen Gral werden, dem Gefäß Gottes.

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