Der Kampf um die Kultur

Der folgende Artikel zum Zusammenspiel von Politik und Kultur wurde zuerst 2013 auf meinem alten Blog veröffentlicht. Da er damals sehr viel Zuspruch erhielt und eine gute Vertiefung zum politischen Aspekt des Artikels „Harmonie“ darstellt, möchte ich ihn an dieser Stelle noch einmal vorstellen. Im Mittelpunkt steht die Entführung der Kultur durch die politischen Lager und den Abstand den man innerlich gewinnen muss, um seelische Freiheit zu erlangen.

„Aus dem offenkundigen Versagen des historischen Liberalismus erwuchs die sozialistische Bewegung mit dem Ziel, die missbrauchten Freiheitsrechte einzuschränken zugunsten der Gesamtheit und besonders zugunsten der wirtschaftlich Schwachen. Diese Zielsetzung beruht jedoch auf einem Denkfehler; denn der historische Liberalismus versagte nicht, weil er zuviel, sondern weil er zu wenig Freiheit verwirklichte.“ Dr. Ernst Winkler, Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung

„Alles, was der Kulturentwicklung in irgendeiner Weise hilft, arbeitet gegen den Krieg. Ich möchte nicht gern erschossen werden.“ Peter Sodann, Interview in der Sächsischen Zeitung

„Es lebe unser heiliges Deutschland!“ Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Letzte Worte

Die Perspektivlosigkeit der Politik

Heute wird wieder ein Ende der Ideen herauf beschworen und die Perspektivlosigkeit der Politik angeprangert. Die Kultur und ihre Werte wird zum Zankapfel der Kräfte, die an ihr zerren. Das Volk lehnt sich dabei zurück und jammert über die Basarmentalität seiner Führungspersönlichkeiten. Aber sind die Menschen denn weiter, machen die Einzelnen es besser? Wer wagt es noch einen großen Traum zu träumen und sein eigenes Leben danach auszurichten, gleichwohl was andere darüber denken? Sind wir nicht viel mehr mit Konsum und wirtschaftlicher Absicherung beschäftigt, als dass wir uns wirklich für eine lebenswerte Zukunft einsetzen?

Das Gefühl der Perspektivlosigkeit angesichts der alten religiösen, politischen und kulturellen Normen stellt sich nicht ein, weil wir sie bereits durchexerziert haben. Sie können alle wiederkommen im neuen Gewand. Nein, wir wurden ihrer überdrüssig weil sie uns die Luft nehmen zum Atmen, wie Kleider die uns zu klein geworden sind. Wir wollen sie nur nicht ablegen, weil wir uns ohne sie nackt fühlen und unsere wahre Hilflosigkeit zu spüren beginnen. Verzweifelt greifen wir in alle Richtungen, doch es gibt nichts mehr, womit wir unsere Ängste wieder zudecken können. Das Ende der Ideologien fordert keine neue Ideen. Die Antwort ist einfach: begrüßen wir unsere Freiheit und fordern frische Luft zum Atmen ein oder kauern wir uns in die Ecke und akzeptieren den Rückfall in feudalistische Sklavensysteme?

Die Demokratie nach modernem Modell ist die Folge von Wohlstand und materieller Lebenszufriedenheit und nicht deren Ursache. Sie beruht nicht auf individuellem Freiheitssinn, sondern auf kollektiven Idealvorstellungen von Gerechtigkeit und Ordnung. Das freiheitliche Ideal der Demokratie ist nur das Aushängeschild einer Konsumgesellschaft und ohne echten Platz in den Herzen der Menschen. Welche Bedeutung die Freiheit für uns besitzt, erweist sich, wenn wir um sie kämpfen müssen. Dafür benötigen wir keine Idee oder Moral, was wir brauchen ist eine Vision menschlicher Größe und den Glauben an die Kraft in uns, eine schönere Welt erschaffen zu können. Ohne eine spirituelle Revolution im Sinne der Schaffung eines neuen positiven Menschenbildes, wird es diese Vision aber nicht geben können.

Die ganze Zielsetzung und innere Überzeugung der Gesellschaft wird sich verändern müssen. Reichtum im neuen Sinne darf nicht mehr Konsum sein, sondern die materielle und geistige Unabhängigkeit des Einzelnen vom Ganzen. Je unabhängiger ich auf Grund meiner wirtschaftlichen und emotionalen Lage bin, desto freiwilliger kann meine Teilnahme am Ganzen sein. Daher war es für den Feind demokratischer Entscheidungsfindung immer wichtig, die Bevölkerung verarmen und von staatlicher Unterstützung abhängig werden zu lassen.

Panem et circenses

Dabei steht die wirtschaftliche Armut noch nicht einmal im Fokus, sondern eine kulturelle Armut, die den Absichten der herrschenden Klasse und ihrer Ideologie in die Hände spielt. Für einen Freund der Demokratie ist es wichtig, eine Bevölkerung unabhängig vom Staat zu machen und zur größtmöglichen Subsidiarität und Autarkie zu führen. Die Illusion mit der die Völker gelockt wurden war, die Freiheit des Einzelnen über den Staat erzwingen zu wollen. Die Verachtung der heutigen Europäer gegenüber den US-Amerikanern, die die Grundüberzeugung der bedingungslosen Freiheit ihrer Vorfahren und Staatsgründer ernst nehmen, spricht hierbei Bände.

Jedem Modell einer wirtschaftlichen oder anderweitigen Ordnung innerhalb einer Gesellschaft geht ein bestimmtes Menschenbild voraus. Wenn ich also der Meinung bin, dass der Mensch nicht fähig ist, ohne eine ihm übergeordnete Macht zu existieren, sei es Staat oder Religion, welches erbärmliche Bild habe ich dann vom Menschen? Ist es dann noch verwunderlich, wenn gesellschaftliche Strukturen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft Typen von Menschen an die Macht bringen, die allesamt der Meinung sind, es grundsätzlich besser zu wissen als die Bevölkerung? Wenn die Grundannahme lautet, dass die Mehrheit der Menschen unfähig ist friedlich zu koexistieren und kooperativ zu handeln, dann kann die Folge nur Bevormundung, Freiheitsentzug und Entwürdigung sein. Das wiederum ist es, was die Systemparteien und Regierenden, religiösen Institutionen, Behörden und Ämter in jedem Land der Welt gemeinsam haben. Sie verachten die Freiheit des Individuums.

Wenn das gesellschaftliche Ego zum Krebsgeschwür wird, dann findet sein Überlebensprogramm nur Ruhe in Gleichmacherei und Kontrolle. Vielfalt und Unabhängigkeit sind ihm ein Graus, denn es fühlt sich von ihnen bedroht. Es möchte sich ausdehnen und alles was ihm im Weg zu seiner Macht steht, muss beseitigt werden. Die gesetzlich verordnete Gleichmacherei ist etwas zutiefst Dämonisches! Kommunistischer Sozialismus und Faschismus, vulgo National-Sozialismus sind als sich gegenüberstehende Extreme nur in ihrer Ähnlichkeit begreifbar und nicht in ihren kaum vorhandenen ideologischen Gegensätzen. Von den historischen ganz zu schweigen. Genau genommen besitzen sie als kollektivistische Systeme nur eine einzige konsequente Unterscheidung. Diese haben sie mit ihren scheinbar gemäßigteren Brüdern im Geiste des gesamten (linken wie rechten) Parteienspektrums gemeinsam.

Politische Schizophrenie

Was ist eigentlich das Wesen der Trennung unserer Politik in rechts und links? Hat das irgendetwas mit Freiheit zu tun? Mit Sicherheit nicht! Es sind lediglich zwei parallele Wege mit demselben Ziel. Ihr Argument ist die Ausübung der Kontrolle zum Wohle des unmündigen Menschen, der eine ihm überlegene Elite benötigt, weil er keine natürliche Ordnung kennt. Beide Denkmuster, das linke wie das rechte, versuchen ihre Kontrolle auszubauen mit dem Ziel, eine „natürliche“ Ordnung herzustellen, indem sie sich der Kultur bemächtigen.

Zugegebener Maßen ist das rechte Denken seinem Wesen nach archaischer. Es versucht die eigene kulturelle Weltsicht zu erhöhen und alles Fremde konsequenter Weise als gefährlich darzustellen. Dafür müssen wir nicht die Nazis bemühen, hier reicht die Voreingenommenheit konservativer Kräfte, ihre Reformunwilligkeit und Traditionsgläubigkeit vollkommen aus. Hier nennt man jene Teile der Kultur bedeutsam, welche die Gefolgschaft der Gläubigen sichert. (Ehe, Nationalstaat, Gesellschaftsschichten, Berufsstände, Titel, Brauchtum, Überlieferung, Kadavergehorsam, Militarismus, rigide religiöse Vorschriften, usw. usf.)

Die linke Idee ist jünger und ein Bastardkind der Aufklärung. Entstanden als Überreaktion des pubertierenden Revolutionärs lehnt sie jede Form von identitärer Kultur zur Gänze ab. Ihre Ideologie ist die „natürliche“ Ordnung des kulturlosen Menschen, der erst von seinem kulturellen Selbstausdruck befreit, seine Gleichheit mit allen anderen erkennt. Daher richtet sich der sozialistische/kommunistische Wahn immer gegen kulturelle Identifikationsmuster. Das geht von der chinesischen Kulturrevolution über die Ausrottung des Establishments durch Polpot bis hin zur Gleichmacherei und Meinungskontrolle in allen gesellschaftlichen Institutionen wie Schulen, Medien und dem banalen Alltag. Jede identitäre und unabhängige Bewegung wird dabei argwöhnisch beobachtet und als reaktionär, ausgrenzend und diskriminierend betrachtet.

Was steckt dahinter?

Die zu Grunde liegende Psychologie beider systemischer Ausrichtungen ist also ein Versuch den Menschen über seinen kulturellen Selbstausdruck beherrschbar zu machen. Daher würde es auch nichts zum Positiven verändern, wenn nur endlich soziale und grüne oder nationale und konservative Kräfte an die Macht kämen. Man sieht es doch wunderbar an der ohnehin schon ziemlich links gerichteten Öffentlichkeit in Deutschland, dass diese Art von fehlgeleitetem Bewusstsein niemals zufrieden ist. Je mehr Macht es bekommt, desto unzufriedener wird es.

Für die linke Denke wird es niemals genug Integration, Gleichstellung, soziale Gerechtigkeit und Schutz vor den Auswüchsen reaktionärer Kräfte geben. Und je mehr Macht die rechte Seite erhält, desto stärker wird der Teufel an die Wand gemalt über die bösen kommunistischen Umtriebe, die widerliche Lebensführung alternativer und ausländischer Gruppen und die staatszersetzenden Umtriebe von kulturellen Abweichlern. Selbstverständlich zum Nutzen der jeweiligen Günstlinge, die sich auch noch als Befreier der Menschen begreifen dürfen. Der eiserne Griff wird in beiden Fällen immer fester, weshalb es den Hintergrundmächten letztlich gleich ist, ob die Menschen von links oder rechts geknebelt werden.

Was aber ist Kultur?

Der Besuch einer klassischen Oper oder des kunsthistorischen Museums? Erlebe ich deutsche Kultur, wenn ich Goethe und Schiller lese? Oder ist es nicht vielmehr so, dass ich den Dichter erlebe, wie er sich mit Hilfe der zeitgenössischen Kultur auszudrücken versuchte und gerade dadurch dieselbe Kultur veränderte? Die deutsche oder eine andere Kultur gibt es überhaupt nicht. Es ist eine abstrakte, illusionäre Vorstellung, dass es so etwas wie die deutsche, christliche, amerikanische, vietnamesische, islamische oder was auch immer für eine Kultur gäbe. Es gibt einzig Muster, derer sich Menschen bedienen, um ihr Innenleben auszudrücken. Genau dort, wo ein Mensch wirklich individuell und kreativ handelt, gerade hier verändert er die Kultur unwiederbringlich. Dort entstehen Vitalität, Wohlstand, Schönheit, Vielfalt, Größe und das Leben selbst. Alles andere ist rechter Totenkult und linke Lebensangst.

Die Linke betrachtet den Menschen gerne als Opfer seiner Kultur, welche ihm sein Selbstverständnis, ob sexuell, wirtschaftlich oder sozial geradezu diktiert. So entschuldigen sie damit jedes noch so asoziale Verhalten, es sei denn es entspringt dem rechten Denken. Die Rechte wiederum ist unfähig über die kulturellen Modelle von Religion und Tradition hinauszudenken und bestätigt damit die Lebensfeindlichkeit der Linken. Wovor beide jedoch mehr als alles andere Angst haben, ist ein Bürger, der sich aus dem überholten politischen Denken endgültig befreit hat. Denn beide negieren die Fähigkeiten des mündigen Menschen. Wie Kant bereits klarstellte ist die Unmündigkeit dabei immer selbst verschuldet. Meine Kultur entschuldigt nicht mein unsoziales Verhalten und mangelnden Respekt. Kultur ist ein Werkzeugkoffer kommunikativer Gebrauchsgegenstände, mit denen ich mein Selbst offenbare, meine Leidenschaften ausdrücke und meinen Bezug zur Welt.

Dieses Selbst aber ist verantwortlich für den Gebrauch seiner Werkzeuge und dieses Selbst ist nur vollkommen frei, wenn es aufgehört hat, sich mit dem Werkzeug zu identifizieren. Ich kann mein Werkzeug lieben, auf Grund der Möglichkeiten die es mir bietet. So wie die Schönheit und Genauigkeit der deutschen Sprache mir ermöglicht zu schreiben, wie in keiner anderen Sprache möglich. Deswegen ist sie aber nicht besser oder wichtiger als andere. Kultur als individueller Freiheitsausdruck gegenüber dem Kontrollmechanismus des Kollektivs funktioniert, wenn sie als ein solcher Werkzeugkoffer begriffen wird. Denn sie wird ohnehin nur dort lebendig, wo aus den Errungenschaften der Vergangenheit Neues geschaffen wird. Auf jeden Fall nicht dort, wo die Vergangenheit verteufelt wird und auch nicht dort, wo sie auf ein Podest gestellt wird. Wahre Kultur existiert dort, wo der Mensch in Freiheit ohne jede gesellschaftliche oder staatliche Repression seinen Selbstausdruck leben kann.

Freiheit ist keine Staatsform

Dafür benötigt es Mut, den man den Menschen jedoch erfolgreich aberzogen hat. Angst und Staatsgläubigkeit ersetzen heute eine Orientierung die aus dem Leben selbst stammen sollte. Geboren aus einer verinnerlichten Spiritualität und Selbsterkenntnis. Freiheit ist keine Staatsform! Freiheit wächst in einem Staat der die Autarkie und Unabhängigkeit seiner Bürger fördert. Dazu benötigt er eine regionale Ausrichtung um den Einfluss zu verteilen und zu dezentralisieren. Kleine, gut vernetzte regionale Einheiten sind die Zukunft. Der Staat ist nicht dazu da zu regulieren, sondern Freiheit zu ermöglichen. Jedes noch so kleine Gesetz ist ein weiteres Gewicht, das den Kiel auf dem Segelschiff der Freiheit tiefer unter Wasser drückt. Wer schon mal ein Militärmuseum besucht hat, der weiß, wie wenig Bewegungsfreiheit es auf einem U-Boot gibt!

Die Vision einer voluntaristischen, freiheitlichen Gesellschaft ist nicht neu. An Sie glaubten die Gründungsväter der Vereinigten Staaten genauso wie die Kämpfer der deutschen Revolution von 1848 oder die Mitglieder des Kreisauer Kreises zu Beginn des letzten großen Krieges. Jene Gruppe deren Mitglieder aus allen Schichten der Gesellschaft stammten und deren berühmtestes Mitglied der Graf von Stauffenberg war, arbeitete an Plänen für ein freies Deutschland nach dem Ende der national-sozialistischen Herrschaft. Man war sich der großen Gefahren staatlicher Macht mehr als bewusst geworden und dachte über einen Aufbau der Gesellschaft von unten nach. Eine radikale Abkehr von zentralisierter Gewalt, von Kollektivismus und Obrigkeitsdenken wurde als der einzige Weg zur Freiheit erkannt.

Es ist nichts falsch daran den Boden zu lieben auf dem man lebt. Sich mit der umgebenden Natur und Kultur eins und für sie verantwortlich zu fühlen. Nur so kann es überhaupt Menschen geben, die bereit sind, sich über ihre Wohlfühlgrenzen hinweg für etwas einzusetzen. Nur Menschen die voller Gleichgültigkeit sind benötigen Moralapostel und Gesinnungspolizei um eine Orientierung im Leben zu bewahren. Was wir brauchen sind Menschen mit den Herzen von Kriegern, die für den Sinn leben und alles Belanglose verachten. Es wird immer erzählt, dass große Veränderungen durch kleine Schritte erkämpft werden. Prinzipiell richtig, dient der Satz aber allzu oft der Vertuschung einer Bequemlichkeit, die keinen Schritt über den bekannten und gesellschaftlich akzeptierten Erkenntnishorizont hinaus wagen will. So verändert sich überhaupt nichts.

Die Welt schreitet voran, wenn Einzelne, unbeirrt durch die warnenden Stimmen, ihrem Herzen folgend dem Horizont entgegen gehen und dabei alles Bekannte hinter sich lassen. Wenn sie dann am anderen Ufer angekommen sind, so geben sie allen die sie hinter sich gelassen haben ein Zeichen und erhöhen ihren Mut zu folgen. Veränderungen treten ein, wenn viele den Horizont überschritten haben und das alte Weltbild in sich zusammenbricht. Das Herz des wahren Kriegers liebt seine Freiheit nicht um die Tradition zu bewahren oder zu verteufeln, sondern um den unausweichlichen Wandel mit offenen Armen begrüßen zu können.

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