S2 Polarität

Alles ist Beziehung

Das Titelbild ist eines der bekanntesten Motive des Hinduismus. Es zeigt die Rachegöttin Kali. Sie ist ein Aspekt der Muttergöttin, der weiblichen Urkraft des Universums. In diesem grausam erscheinenden Bild steckt eine wichtige Botschaft zur spirituellen Natur der Welt. Kalis Leidenschaft ist die Vernichtung der Korruption und Falschheit in der Welt durch die Kraft ihrer ungezügelten Ekstase. Sie handelt in ihrem Blutrausch dabei genauso selbstlos, wie in ihrem mütterlichen Erscheinungsbild als Parvati, die Frau Shivas. Dieser liegt zu ihren Füssen und scheint bewusstlos. Shiva ist die männliche Urkraft der Schöpfung. Seine Reglosigkeit symbolisiert seine Machtlosigkeit gegenüber ihrem Wüten und zugleich seine bedingungslose Bereitschaft ihr zu dienen. Symbolisiert durch die Tatsache, dass Kalis Stand auf seinem Körper ruht. Shiva ist nicht bewusstlos, er ist die Inkarnation von Bewusstsein und göttlicher Klarheit, sowie Kali/Parvati für die Lebendigkeit der göttlichen Schöpfung stehen. Sein Wesen bildet den Grund, auf dem sie sich bewegt.

Der abgeschlagene Kopf und der leblose Körper gehören einem Dämon, genauso wie ihre anderen „Trophäen“, die Körperteile dämonischer Seelen. Dämonen sind Abspaltungen des göttlichen Bewusstseins, welche in die Hölle der Unbewusstheit gefallen sind. Kali als weibliches Prinzip befindet sich in einem teilweise nicht-bewussten, selbstvergessenen Zustand, symbolisiert durch das andere Bein, das auf der Erde ruht. Die weibliche Urkraft verschenkt einen Teil ihres Bewusstseins, ihres spirituellen Körpers um die Welt zu gebären und die Materie mit dem Geist zu verbinden. Auf Grund ihrer göttlichen Aufgabe, die Falschheit auszurotten und so ihren Geliebten Shiva von den Dämonen zu reinigen, verzeiht er ihr in jedem Moment. Ihre herausgestreckte Zunge steht für ihre Scham über die Erkenntnis ihres Wütens. Es tut ihr Leid, Shiva eventuell verletzt zu haben, jedoch kann sie sich nicht helfen, da sie in der Schöpfung lebt und diese durch sie. Danach verwandelt sie sich zurück in Parvati und genießt seine liebende Betrachtung ihres mütterlichen Wesens. Die männliche Kraft des klaren, regungslosen Bewusstseins erschafft also den Raum für die weiblich-chaotische Bewegung des Lebens. Die weibliche Lebendigkeit mit einem Bein im Bewusstsein, mit dem anderen in der Welt, bewahrt die männliche Kraft der Intention davor, sich in der Schöpfung zu verlieren und zu einer unbewussten, dämonischen Kraft zu werden.

Frauen sind weiser als Männer, weil sie weniger wissen und mehr verstehen – James Stephens

Alle Erscheinung ist Beziehung. Nichts existiert für sich allein. Nur ein unendlicher kleiner Punkt kann für sich selbst stehen. Bereits eine zweidimensionale Linie ist eine Beziehung zwischen zwei Punkten. Dualität ist ein Grundprinzip aller Erscheinungen. Anziehung und Abstoßung. Aktivität und Passivität. Starre und Bewegung. Erst das Zusammenkommen zweier gleichwertiger Gegensätze offenbart die tieferliegenden Wahrheiten hinter den Erscheinungen. Es ist jedoch ein relatives, dynamisches Prinzip und damit situationsabhängig und dennoch einfach zu verstehen. Das Land ist gegenüber dem Wasser männlich, da es dem Wasser seinen Bewegungsspielraum vorgibt, während das Wasser als weibliches Prinzip das Land formt und gestaltet. Das Wasser bewegt sich, das Land ruht. In der gleichen Weise befindet sich eine Mutter in der männlichen Position gegenüber ihrem Kind. Sie gibt dem Kind seinen Bewegungsspielraum, seine Möglichkeiten, seine Freiheit, während das Kind diese Freiheit mit seiner Lebendigkeit füllt und absolute Aufmerksamkeit und Integrität verlangt. Wir mögen uns zeitweise gegen diese Prinzipien auflehnen können, aber in der Tiefe können wir ihnen nicht entkommen.

Öffnung überwindet Gegensätze

Das größte Vergehen an der Liebe, welches Menschen in ihren Beziehungen begehen, ist der zwanghafte Versuch, den jeweils anderen für seine eigenen Bedürfnisse zu benutzen. Der größte Beweis aufrichtiger Liebe ist die Geduld und Hingabe, die eigenen Fehler erkennen und die des anderen verzeihen zu wollen. Da wir kontinuierlich aneinander zerren, so wie wir in unserem eigenen Inneren nicht aufgeräumt haben, kann der spirituelle Sinn unserer Beziehungen nur in der gegenseitigen Unterstützung zu mehr Reife und Bewusstheit liegen. Diese Unterstützung erfolgt entsprechend unserer persönlichen Natur und abhängig von der Situation auch immer den Motiven der Dualität. Unterschiedliche Situationen verlangen nach verschiedenen Formen von Hingabe und Bereitschaft sich einzusetzen. Am Ende bleibt stets die Notwendigkeit zur Öffnung. Erst durch den entscheidenden Schritt der Öffnung meines ganzen Wesens, Herz, Körper und Geist, kann die Kraft des übergeordneten Prinzips meiner Seele Kontakt aufnehmen mit meinem Gegenüber, dem Gegenstand meiner Beziehung. Die Beziehung endet und Einheit entsteht.

Wir vermeiden die Begegnung mit unserer persönlichen Wahrheit gegenüber diesen Kräften, da sie uns Angst machen. Sie zu verwirklichen und uns ganz in sie fallen zu lassen, um eine Beziehung in Einheit zu überführen erfordert Mut und Demut. Ich brauche Mut, um den männlichen Prinzip zu folgen und meine Freiheit zu erkämpfen und wieder aufzugeben, um einen Raum zu erschaffen, in welchem die Beziehung zur Einheit werden kann. Ich brauche Demut, um dem weiblichen Prinzip gerecht zu werden und mich wirklich in den bereit gestellten Raum fallen zu lassen, ihn mit Lebendigkeit zu füllen und meine eigene männliche Inspiration für die Einheit aufzugeben. Dieses Spiel findet genauso in unser Beziehung zu uns selbst statt, wie zwischen Männern und Frauen oder gesellschaftlichen Gruppen. In diesem Fall interessiert mich jedoch die offensichtliche Anwesenheit dieser Kräfte im erotischen Spiel zwischen Männern und Frauen. Die rechtliche und wirtschaftliche Gleichstellung der Geschlechter ändert nichts an der Tiefe unseres Wesens und den Kräften, welche durch uns wirken wollen.

Um den Bogen zu schlagen und zum Anfang zurückzukehren, es geht um Öffnung und diese erfolgt nach zwei unterschiedlichen Prinzipien. So wie sich die Spiritualität einer Zen-Meditation mit ihrer Ausrichtung auf das klare Bewusstsein von der Lebendigkeit eines afrikanischen Kirchenchors unterscheidet und doch beide eine Form der Öffnung für spirituelle Erfahrung darstellen. Die weibliche Tiefe möchte sich der Welt hingeben und von ihr übernommen werden, vollkommen aufgelöst in der Hingabe an die Existenz. Die männliche Tiefe möchte die Welt durchdringen und Klarheit über sie erlangen. Das Problem ist, dass erst beide zusammen die Welt selbst erst erzeugen. Eine Kraft für sich alleine ist bloße Flucht in Hedonismus oder Lebensverweigerung. Daher benötigt die weibliche Kraft die Demut, um sich einer männlichen Kraft anvertrauen zu können und die männliche Kraft Mut, um sich der weiblichen Kraft in Offenheit auszuliefern und ihr Wüten in Liebe anzunehmen. Beides wird zur Öffnung für das Sein. Die weibliche Kraft erhält ihren Raum und eine männliche Kraft welche sie in Verehrung beobachtet. Die männliche Kraft erhält im Gegenzug die Lebendigkeit, nach der sie sich sehnt.

Ein Ozean der Liebe

Das Erschaffen des Raumes durch den Mann erzeugt einen Spielplatz, der jedoch zugleich ein Gefängnis darstellt. Die männliche Kraft drängt entsprechend ihrem Mut nach der Verwirklichung eines Spielplatzes, ihrer individuellen Freiheit. Da sie sich jedoch bei fehlendem Mut in den Grenzen ihrer Welt verliert, benötigt sie eine Kraft, welche den Weg aus diesem Käfig kennt. Die weibliche Kraft besitzt in ihrem scheinbar chaotischen Wesen die nicht-bewusste, intuitive Weisheit, die Grenzen des Käfigs vorübergehend zu verlassen. Sie spürt die Falschheit der Grenzen und fordert die männliche Kraft kontinuierlich dazu auf, mehr Freiheit zu erlangen. In unserer Psyche wäre die männliche Kraft unsere Vorstellung und der Verstand, die weibliche Kraft die Leidenschaft und Emotion. Ein Leben aus dem Verstand und ohne Leidenschaft ist kontrolliert und besitzt einen festen Raum, aber wenig Flexibilität und Drang nach mehr Freiheit. Ein Leben aus der Emotion und Leidenschaft ist lebenswert und lebendig, aber besitzt keine Stabilität oder Orientierung. Das männliche und das weibliche Prinzip geben einander Raum und Sinn, sofern sie durch das Herz des anderen leben, statt nur durch das eigene.

Wenn aus der Beziehung zwischen den scheinbaren Gegensätzen ein harmonisches Spiel wird, so entsteht Einheit. Diese Einheit ist ein Ozean der Liebe, dessen Tiefe unendlich ausgelotet werden kann. Ein Eintauchen in tiefere Schichten unseres sexuell polarisierten Bewusstseins wird durch die Bereitschaft ermöglicht, sich diesem Ozean anzuvertrauen. Da das männliche Prinzip in die Klarheit seiner Grenzen flüchtet und seinen Käfig nicht verlassen will, fürchtet es die Tiefe. So versucht es in seiner unbewussten dämonischen Natur die weibliche Kraft festzuhalten und daran zu hindern, ihrem Instinkt zu folgen und den Käfig zu verlassen. Die weibliche Kraft besitzt den instinktiven Mut, da der Ozean bereits ein Teil ihres Wesens ist, doch benötigt sie die Klarheit der männlichen Kraft, um sich in der Endlosigkeit des Ozeans orientieren zu können. Sie will die Grenzen des Käfigs sprengen und die männliche Kraft dazu bewegen, mehr Freiheit zu erlauben und die Spielwiese zu vergrößern. Sie benötigt Demut, um nicht mehr zu verlangen als möglich ist. Das weibliche Prinzip belohnt die Authentizität (Mut) des männlichen, seine Hingabe an die Wahrhaftigkeit und das männliche Prinzip belohnt die weibliche Hingabe (Demut) an die Welt und den gemeinsamen Tanz. Das ist das ewige Spiel der beiden.

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And another one bites the dust
But why can I not conquer love?
And I might’ve got to be with one
Why not fight this war without weapons?
And I want it and I wanted it bad
But there were so many red flags
Now another one bites the dust
And let’s be clear, I trust no one

You did not break me
I’m still fighting for peace

Well I’ve got thick skin and an elastic heart
But your blade it might be too sharp
I’m like a rubber band until you pull too hard
But I may snap when I move close
But you won’t see me fall apart
‚Cause I’ve got an elastic heart

I’ve got an elastic heart
Yeah, I’ve got an elastic heart

And I will stay up through the night
Let’s be clear, I won’t close my eyes
And I know that I can survive
I walked through fire to save my life
And I want it, I want my life so bad
And I’m doing everything I can
Then another one bites the dust
It’s hard to lose a chosen one

You did not break me (You did not break me, no, no)
I’m still fighting for peace

Well I’ve got thick skin and an elastic heart
But your blade it might be too sharp
I’m like a rubber band until you pull too hard
But I may snap when I move close
But you won’t see me fall apart
‚Cause I’ve got an elastic heart