S4 Ängste

Schönheit birgt eine tiefere und höhere Wahrheit in sich, als die Wahrheit selber – Anatole France

Ängste und der Geschlechterkampf

Die männliche und die weibliche Kraft ergänzen einander und besitzen wie Yin und Yang einen kleinen Punkt in sich selbst, der die jeweils ergänzende Kraft widerspiegelt. Es ist wichtig, zu eigenem inneren Ausgleich dieser Kräfte zu gelangen, aber schwierig, seine verborgenen Ängste zu erkennen. Die direkte, treibende männliche Kraft und die indirekte, empfangende weibliche Kraft stehen für Aspekte unseres Wesens, welche in jedem Menschen, eigentlich in allem vorhanden, aber unterschiedlich gewichtet sind. Auf Grund unserer Ängste Idealen einer Gesellschaft zu folgen, welche das Bewusstsein darüber verloren hat, kann nur dazu führen, dass ein Menschen das Bewusstsein für seine eigene Ausgeglichenheit und Identität verliert. Es ist wohl richtig, dass das äußerliche Geschlecht zunächst keine Aussage über das innere Wesen eines Menschen darstellt, das bedeutet aber nicht, dass sich unsere Persönlichkeit und ihre Bedürfnisse nach Wunsch und Mode verbiegen lassen oder die Natur und unsere Seele sich nichts dabei gedacht hätten, uns mit einem bestimmten Geschlecht auszustatten.

Die Frauen mögen den Kampf um ihre Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft gewonnen haben, die echte Weiblichkeit jedoch, hat sie endgültig verloren. Nichts ist verpönter geworden als jene Werte, die über Jahrtausende mit weiblicher Tugend verbunden waren. Was auch nicht bedeutet, dass sie auf Frauen beschränkt wären. Bescheidenheit, Verletzlichkeit, Achtsamkeit sind menschliche Werte, welche dem weiblichen Aspekt der Seele zugeordnet werden. Sie gelten heute als Schwäche. Da brauchen wir uns nichts vormachen. Die Konsequenz ist Leid für alle, Männer wie Frauen, welche eine Verbundenheit zu diesen Werten im Herzen spüren und sie von klein auf durch direkte oder indirekte Gewalt ausgetrieben bekommen. Ohne diese weiblichen Werte aber, können auch klassisch männliche wie Ritterlichkeit, Aufrichtigkeit und Angstlosigkeit keine Basis mehr finden, für die es sich zu kämpfen lohnt. So berauben wir uns gegenseitig der Ausdrucksfähigkeit unserer Herzen und fallen zurück auf ein instinkthaftes Jeder gegen Jeden unserer Ängste das primitiver ist, als jede Kultur vor uns gewesen ist.

Schönheit und Anmut sind es, die uns im Zusammenspiel als Männer und Frauen am schnellsten verloren gingen. Das Verständnis für unsere offensichtliche Unterschiedlichkeit musste bekämpft werden, wenn wir doch angeblich alle gleich funktionieren und uns nur äußerlich unterscheiden. Jede Verantwortung für einander musste abgeschafft werden, damit wir als Einzelkämpfer besser ausgenommen werden können. Am Ende steht wieder der Wunsch nach Kontrolle und aus ihm folgend, die gesellschaftlichen Ideale der Popkultur. Junge Männer die danach streben ein Pimp zu sein, für den Frauen jederzeit zur Verfügung stehen und für deren Gefühle er keine Verantwortung trägt. Oder junge Frauen, welche das Bild der unabhängigen Karrierefrau anbeten, für die Männer keinen Zweck erfüllen, außer Spielzeuge ihrer Launen zu sein. Elendige und unnahbare Karikaturen eines entwickelten Menschen, so weit von sich entfernt, dass sie die eigenen unterdrückten Ängste oder gar die wahren Wünsche ihrer Seele gar nicht mehr zu empfinden fähig sind. Die männliche Unterdrückung der Frauen und die weibliche Manipulation der Männer haben sich nur neu eingekleidet um der Mode zu entsprechen.

Was Dr. Sommer verschwieg

Auf beiden Seiten regieren immer mehr die Ignoranz und Missachtung für die Gefühlswelt des jeweils anderen. Männer vertrauen Frauen nicht mehr ihre Emotionen an, da sie zu oft gerade in ihren verwundbaren Momenten Ablehnung durch Frauen erfahren haben, die ihre romantischen Fantasien ausleben wollten, aber selbst nichts zu geben hatten. Viele Frauen geben sich Männern nicht mehr mit ihrer ganzen körperlichen Präsenz hin, da sie gelernt haben, dass sie den emotional distanzierten Männern nicht vertrauen können. So drehen sich beide im Kreis und verletzen sich stetig neu durch immer größer werdende Ablehnung und Misstrauen. Beide versuchen nun den jeweils anderen unter ihre Kontrolle zu bekommen, wobei Männer ihre soziale Machtposition heute verloren haben, Frauen ihre jedoch weiterhin aufrecht erhalten. Diese Einseitigkeit erhöht den Wettbewerbsdruck unter den Männern und fördert die zunehmende Ablehnung gegenüber Frauen. Die Vorzeichen haben sich umgekehrt, die Summe des Elends ist gleich geblieben.

Ich weiß, der heutige Artikel klingt sehr polemisch und frustriert, doch macht es mich einfach traurig zu sehen, wie schwer wir uns tun, mit Verständnis für einander da zu sein. Uns gegenseitig zu sehen, zu respektieren und zu lieben, sexuell wie platonisch, ohne uns kontinuierlich zu verstecken und unsere eigene Integrität zu untergraben. Für was eigentlich? Um unsere Ängste voreinander zu verbergen?

Sicher haben wir viele Verhaltensweisen gegenüber dem anderen Geschlecht von unseren Eltern übernommen. Wie viele Mütter übertragen ihre Ängste vor Männern auf ihre Söhne und ihre Verachtung für sie auf ihre Töchter? Wie viele Väter reagieren mit Unverständnis für die Seele der Frauen und lehren ihre Söhne Gleichgültigkeit und entziehen ihren Töchtern die Aufmerksamkeit oder trotteln ihnen genauso hinterher wie ihren Ehefrauen? So entstehen zwangsläufig die widersprüchliche Unerfüllbarkeit unserer sexuellen Motive und die falschen Erwartungen an andere. Wie wäre es, wenn wir einmal ehrlich sind und gesellschaftlich zugeben würden, dass wir es verkackt haben und keine Ahnung besitzen, was wir hier eigentlich tun und wie die wahre Poesie romantischer Liebe aus unserer Seele heraus entstehen könnte.

Als ich mich das erste Mal verliebt hatte, besaß ich noch keine Angst mich vollkommen zu öffnen. Ich besaß das Vertrauen wahrgenommen zu werden und musste wie jeder andere zwangsläufig enttäuscht werden. Aber muss das wirklich ein Grund sein, mich immer mehr zu verstecken, immer misstrauischer zu werden? Wessen Schuld ist es? Ab einem gewissen Punkt müssen wir bekennen, dass wir nie bereit waren und unsere Selbstliebe darüber entscheidet, wie weit wir uns in unsere Emotionen fallen lassen können. Durch ihre Enttäuschungen im Werben um die weibliche Gunst beginnen Männer ihre Angst vor der Ablehnung durch Frauen zu unterdrücken, während Frauen aus Angst vor dem Missbrauch die Männer in ihrem Umfeld zu manipulieren beginnen. Wie kann so etwas anderes als gegenseitige Verachtung entstehen? Wir spiegeln uns in unserer Fähigkeit uns zu öffnen und nach Verständnis zu suchen genauso, wie in unserer Ablehnung für einander. Vielleicht muss die Sehnsucht sich wieder verlieben und fallen lassen zu dürfen, als wäre es das erste Mal, erst groß genug werden muss, damit wir bereit sind, unsere Ängste vor einander zu überwinden.

Schönheit ist Liebe ohne Ängste

Was wir faszinierend finden an anderen und dazu führt, dass wir uns verlieben, ist auch die Suche nach Ganzheit in uns selbst. Wir sind fasziniert von der Freiheit, welche eine Person ausstrahlt oder verspricht und wir versuchen diese in uns fehlende Freiheit über die andere Person zu erlangen. Abhängig davon, welche Form von Freiheit uns fehlt, sind wir dann von positiven oder negativen Eigenschaften des Gegenübers eingenommen. Unterdrücken wir unsere Kindlichkeit, so sind wir von der Unschuld fasziniert, unterdrücken wir unsere Schattenseiten, so versuchen wir diese mit Hilfe des anderen auszuleben. Menschen können sich so hervorragend ergänzen, aneinander wachsen und sich etwas geben, das nur wenige ihnen geben können. Schwierig wird es nur, wenn wir Aspekte unseres Wesens ablehnen und uns so in Eigenschaften anderer verlieben, die oberflächlich und instinkthaft sind. Wir sind dann nicht fähig zwischen Sein und Schein zu unterscheiden, wenn wir kein Gefühl für unser eigenes Wesen mehr besitzen, weil wir es verdrängt haben, aus Angst verletzbar zu sein. Unser eigenes Wesen in allen seinen Fehlern anzunehmen und offen zu legen, zu lernen ohne Scham wir selbst zu sein, ist Stärke. Vollkommene innere Freiheit erzeugt enormes Charisma und Anziehungskraft.

So kommt unser wahres Wesen immer mehr zum Vorschein und wird genau jene Menschen in unsere Umlaufbahn bringen, welche ihm mit Respekt und Liebe begegnen. Über uns selbst zu lernen bedeutet auch, anderen verzeihen zu lernen, schlechte Erfahrungen und Ängste loszulassen, so dass wir sie nicht auf ewig wiederholen müssen. Eine einmal gemachte schlimme Erfahrung kann in uns den Wunsch erzeugen, diese wieder „gut“ zu machen und uns so immer wieder auf’s Neue in das gleiche Messer laufen lassen. Jedenfalls solange, bis wir bereit sind zu verzeihen und endgültig aufzuhören uns selbst oder andere manipulieren zu wollen. Darüber hinaus scheint es heute für die meisten Männer und Frauen wichtig zu lernen, welche Werte ihre Seele ausdrücken und erleben möchte, um sich selbst zu erfahren. Für Männer wird es zunehmend wichtig, sich ihrer Freiheit bewusst zu werden und sich nicht mehr von Frauen und der Gesellschaft in ihrem Selbstwert manipulieren zu lassen, indem sie ihre Aufgabe erkennen, die ihrem Leben eine Heldenreise schenkt. Der echte Selbstrespekt eines Mannes schöpft sich nun mal aus seiner heiligen Mission und nicht aus einem systemkonformen Karriereplan.

Selbstverständlich ist auch für Frauen eine Herzensaufgabe von entscheidender Bedeutung, jedoch unterscheiden sich unsere Gefühle, die uns zu diesen Aufgaben führen und welche Aspekte unserer Seele durch sie geöffnet werden. Wo Männer in ihrem Selbstwert wachsen, weil sie durch den bewiesenen Mut unabhängig werden, ist das für die meisten Frauen einfach nicht von gleichem Wert. Die Mehrheit der Frauen wächst in ihrem Selbstwert, wenn sie eine Aufgabe findet, die sie mit der Welt verbindet und in Kontakt bringt. Der weibliche Weg zur Selbstheilung benötigt De-Mut zur Aufgabe der Kontrollsucht und des ständigen Vergleichs mit gesellschaftlichen Standards. Am Ende führt das Selbstvertrauen die Männer zum Urvertrauen und Frauen finden vom Urvertrauen zu echtem Selbstvertrauen. Es sind einfach zwei unterschiedliche Wege seine Ängste zu besiegen. Unsere Seele begeht aber keinen Irrtum, wenn sie sich für einen der beiden Wege entscheidet. Ein Mann der sich in passivem Weltvertrauen verliert, wird niemals Selbstvertrauen entwickeln und eine Frau, die sich ins Selbstvertrauen flüchtet, wird kein Vertrauen in die Welt entwickeln.

Erst wenn wir bereit sind uns vollständig zu heilen, sind wir auch bereit uns vollständig zu verlieben.

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